Basisdaten zu unserer Tour: Deutschland - Korea

Start:   21.07.1998 in Hamburg/Deutschland

Ende:
  31.10.1999 in Gangneung/Südkorea

Gefahrene Strecke:
13.500 km

Befahrene Länder:
Deutschland, Tschechei, Österreich, Italien, Griechenland, Israel, Ägypten, Kenia, Indien, Thailand, Malaysia, Singapur, Indonesien, Philippinen, Südkorea

Deutschland - Korea, vom 21.07.1998 bis 31.10.1999
...und das alles auf Basis einer Schnapsidee

Eine "kurze" Zusammenfassung

Gestartet sind wir in Hamburg, ohne zuvor trainiert zu haben oder mit der kompletten Ausrüstung einmal Probe zu fahren. Die ersten Meter durch die Stadt waren daher ein wenig eirig und gewöhnungsbedürftig, doch zum Glück war der Einstieg äußerst entgegenkommend. Es ging stracks an der Elbe entlang, also flach und ohne nennenswerte Steigungen.
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An der Elbe entlang

Nach zwei Wochen hat sich auch unser Allerwertester an die Tour gewöhnt und eine kräftigere Hornhaut verdrängte die Bestehende und zuvor bürosesselweich gesessenen Haut.

Nachdem wir ein paar Wochen unterwegs waren, Deutschland, die Tschechei und  Österreich hinter uns gelassen haben, auch unser erstes größeres Hindernis, die Alpen, überquert hatten,
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Die Alpen im Visier

fuhren wir in Italien ein. Dort passierten wir Venedig, fuhren an der Adria entlang und querten dann landeinwärts nach Florenz.
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Venedig

Zwischen Florenz und Siena passierte dann etwas, was hier kurz wiedergegeben werden soll: In einem sehr schönen, doch auch sehr hügeligen Tal, führt die Landstrasse nach Siena. Sie führt von Hügel zu Hügel, was sehr schweißtreibend war, und unter- oder überquerte dabei öfters die parallelverlaufende Autobahn. Hier passierte nun was passieren musste. Marina, die immer etwas weit hinterherfuhr, achtete nicht ordentlich auf den Straßenverlauf und landete so prompt auf der Autobahn. Erwähnen muss man dabei, dass sich dies in einer langgezogenen Kurve bergauf ereignete, welche einem, durch den dichten Bewuchs am Straßenrand, keinen Vorausblick offenbarte. Mun Suk konnte mich so also nicht sehen und ging, wie selbstverständlich davon aus, das ich bereits weiter vorne vorweg fahre. Ich jedoch warte kurz nach der Kurve und der Autobahnauffahrt. Mun Suk, im festen Glauben weiter auf der Landstrasse zu sein, nahm keine Notiz davon das plötzlich die Strasse zweispurig wurde und es eine Leitplanke in der Mitte gab. Auch das Hupen der Autofahrer ignorierte sie einfach. Erst als sie, nach ca. 5 km vor einem Tunnel stand, bemerkte sie, dass an dieser Situation etwas nicht stimmen konnte. Den spätestens hier, so wusste sie, würde ich auf sie warten. Ich bin jedoch, nachdem ich über 10 Minuten auf Mun Suk gewartet hatte, die Strasse wieder zurück gefahren um sie zu suchen. Als ich jedoch wieder an dem Punkt angelangt bin, an welchem wir zuvor das letzte Mal zusammen waren und Mun Suk dort nicht vorzufinden war, da kam mir die Einsicht, dass sie wohl auf die Autobahn aufgefahren sein könnte. Also fuhr ich schnell wieder zurück, bergauf, doch an der Auf- bzw. Abfahrt war wiederum keine Mun Suk zu finden. So dachte ich mir, nach weiteren 10 Minuten des Wartens, dass sie wohl ihren Fehler eingesehen haben musste und nun versucht mich auf der Landstrasse bergauf einzuholen. Also wieder aufs Rad und mit vollem Einsatz bergauf gefahren. Die Strasse war weiterhin sehr gewunden und man hatte keine Möglichkeit, mehr als 100 Meter nach vorne zu schauen. Als ich so nach einer halben Stunde ziemlich ausgelaugt den nächsten Ort in etwa 5 km erblicken konnte, die Sicht wurde zum Glück etwas freier, war Mun Suk jedoch immer noch nicht zu erblicken. Eigentlich hätte ich sie schon längst eingeholt haben müssen, denn so schnell würde sie auch nicht gefahren sein. Jetzt war guter Rat teuer. Aus lauter Verzweiflung hielt ich entgegenkommende Autofahrer an, und versuchte von Ihnen zu erfahren, ob sie weiter vorne eine Radfahrerin gesichtet hätten. Aber Fehlanzeige. Da kam bergauf von hinten ein Autofahrer und hupte mich an. Er gab mir mehr oder weniger zu verstehen, italienisch beherrsche ich leider nicht, dass jemand weiter unten auf mich wartet. Also, die Ganze Strecke wieder bergab im Affenzahn. Da stand sie dann letztendlich, neben der Autobahnauffahrt und weinte tränenüberströmt vor sich hin. Wie erwähnt bemerkte Mun Suk ihren Fehler vor dem Tunnel. Kurz zögerte sie noch, ob ich sich nicht doch vielleicht vor eine Mutprobe stellen wollte und sie durch den Tunnel fahren sollte. Doch zum Glück kam ihr das dann doch zu abwegig vor. Also machte sie kehrt, sie konnte vor dem Tunnel, durch den gefährlichen Autobahnverkehr, heil auf die andere Fahrbahnseite wechseln und fuhr zur genommenen Auffahrt die 5 km zurück. Aber hier war jetzt ja die Leitplanke in der Mitte und ein überwechseln auf die andere Seite so nicht mehr möglich. Sie musste also notgedrungen weiter fahren, weitere 5 km, um dann abfahren und auf der Landstrasse, wieder bergauf, zurückfahren zu können. Total von diesem erschöpft von diesem Unternehmen kommt sie so an der falsch genommenen Auffahrt wieder an, doch als sie mich dort nicht vorfindet ist ihr das dann zuviel und die Tränen flossen.

Das Abenteuer war zum Glück gut überstanden und unsere Tour verlief normal weiter. Wir passierten Rom und Neapel, querten bei Bari die Adria und landeten auf dem Pelepones in Griechenland. War zuvor das Wetter in Süditalien ziemlich ungemütlich gewesen, es stürmte heftig mit stetigem Regenschauer, so war jetzt wieder Sonnenschein am Himmel und im Gemüt. Jedoch stiegen nun auch die Temperaturen wieder und tagsüber wurden wir so schön in der Sonne geröstet. Wir hüpften ein wenig von Insel zu Insel, machten auch einen längeren Schiffsausflug auf die Insel Santorini, um uns dann von Europa zu verabschieden und mit der Fähre nach Israel überzusetzen. Ursprünglich wollten wir eigentlich dieses Land gar nicht bereisen.  Von Piräus aus wollten wir nämlich nach Alexandria übersetzen. Die zuvor hierfür durchgeführten Recherchen, in Deutschland als auch unterwegs in Griechenland, waren durchweg Positiv und man gab uns zu verstehen, dass es eine Fährverbindung nach Alexandria geben muss. Als wir aber dann im Hafen von Piräus ankamen, machten man in den Schiffsagenturen nur lange Gesichter. Lustigerweise war bei einer Schiffsagentur auch noch, wenn auch schon etwas angebleicht, ein Schild mit dem Hinweis: Piräus - Alexandria draußen am Gebäude angebracht. Es half aber alles nichts. Diese Fährverbindung war nun schon seit Jahren eingestellt worden, nachdem es die Terroristenanschläge in Luxor gegeben hatte. Somit wie gesagt mussten wir ein wenig umdisponieren und auch die Fährverbindung nach Haifa ausweichen.

Es war jedoch nicht der schlechteste Umstand, dass wir in Israel landeten. Ich wollte dies zwar ursprünglich vermeiden, denn mit einem Passeintrag von Israel wäre die Einreise in manche arabische Länder (z.B. Saudi Arabien) versperrt gewesen. Da wir aber nach Ägypten kein weiteres arabisches Land mehr ansteuerten, war diese Befürchtung somit hinfällig geworden. Zunächst jedoch durchreisten wir Israel und machten Bekanntschaft mit dem Orient. Die sprichwörtliche Gastfreundschaft wurde uns unverhofft in Tel Aviv zu Teil, als man uns Einlud in einem privaten Apartment zu nächtigen. Etwas zögerlich, für uns war dies immerhin eine neue Situation und Fantasien von Kidnapping oder ähnlichem schwirrten einem dabei durch den Kopf, nahmen wir das Angebot an und es stellte sich dabei heraus, dass das Apartment von einer WG bewohnt wird. Noch lustiger für uns aber war, dass wir am Abend dort in der Eingangstür standen und die Mitbewohner des Apartments alle verabschiedeten. Diese hatten sich nämlich kurzerhand dazu entschlossen ein verlängertes Wochenende zu nutzen, um zu verreisen. Sie übergaben uns die Wohnungsschlüssel und wir waren anschließend allein für ein paar Tage im Apartment. Es sei noch erwähnt, dass 1998 es in Israel noch verhältnismäßig ruhig gewesen ist und Attentate nicht wie heute dort auf der Tagesordnung standen.

Nach Tel Aviv ging es landeinwärts hinauf nach Jerusalem, einem Geschichts- und Kulturkonglomerat was einzigartig auf der Welt ist. Nachdem wir uns dort dem Treiben ein wenig hingegeben hatten, ging tief runter zum tiefsten Punkt auf der Erdoberfläche, dem Toten Meer.
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Auf dem Weg zum Toten Meer

Hier geschah ein Wunder, das Mun Suk zumindest so nicht mehr für möglich gehalten hatte, denn zum ersten Mal in ihrem Leben konnte sie tatsächlich schwimmen. Nach dem Toten Meer querten wir bei Eilat die Grenze nach Ägypten. Dieser Prozedur war daher interessant, denn man wollte durchaus alle unsere Sachen röntgen, auch die Fahrräder. Nachdem diese jedoch partout sich weigerten durch das Röntgengerät zu gehen, sie waren dafür einfach zu groß, drückte man auf ägyptischer notgedrungen ein Auge zu und wir konnten die Grenze passieren.

Bei über 50°C durchradelten wir dann den Sinai und folgten dem Roten Meer. Hier machten wir auch Bekanntschaft mit Steine werfenden Kindern. Seitens unseres Reiseführers war uns diese Problematik jedoch bekannt, so dass wir Vorsorge treffen konnten und selbst ein paar Steine wurfbereit dabei hatten. Nachdem wir aber den Kindern zu verstehen gegeben hatten, dass, wenn sie Steine werfen, wir durchaus auch dazu in der Lage sind, konnten wir die meisten Stellen meistens unbehelligt passieren. Eine schon ziemlich paradoxe Situation, doch irgendwie finden es die Kinder so eigenartig das ein Westeuropäer auf einem Fahrrad durch ihr Land kommt, dass sie auf ihn mit Steinen werfen. Nach dieser Episode landeten wir in Kairo, in diesem Trubel aus 1000 und 1 Nacht. Hier wurde auf uns zwar nicht mit Steinen geworfen, doch versuchte nun alle fünf Meter irgendjemand, uns zu irgendwelchen Geschäften und Einkäufen zu animieren. Oder, hatte man die Verkäufer abgewimmelt, dann kam jemand und hatte eine herzerweichende Story auf Lager, um so vielleicht an etwas von unseren Finanzen zu kommen.
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Unterwegs in Ägypten

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Moderner Fahrradladen in Ägypten


Von Kairo aus unternahmen wir, per Zug und ohne Räder, einen Ausflug nach Luxor zu den Königs- und
Königinnengräbern. Zurück ging es auf einer Feluke den Nil hinunter und nachdem wir in Kairo angelangten, verließen wir auch gleich wieder die Stadt, um mit den Rädern einen Abstecher nach Alexandria und der Oase Siwa zu machen. Wir machten diese Ausflüge, um ein wenig mehr von dem Land zu sehen, denn zuvor hatten wir erfahren, dass es weder einer Fährverbindung nach Eritrea gibt, noch der Landweg über den Sudan uns offen stand. So waren wir auf einem Weiterflug angewiesen. Wegen unseres hohen Gesamtgewichtes hatten wir einige Bedenken. Doch nachdem wir bei der Fluggesellschaft nachgefragt hatten und die uns eine Übergewichtspauschale von 100 Dollar benannten, willigten wir ein und bestellten dort die Tickets. Es sei aber angemerkt, dass zwar hier in Europa 100 Dollar keinen allzu großen Betrag darstellen, doch wenn man erst mal auf Tour durch Länder wie Ägypten ist, dass doch kein Kleingeld darstellt.

Der Sprung von Ägypten nach Kenia war aber gewaltig. Waren wir durch das Reisen mit dem Rad an sanfte Übergänge, landschaftlich und kulturell, gewöhnt, so war hier, durch das Fliegen, der Wechsel frappant. Keine Wüstengebiete mehr, sondern viel Grün und die Menschen nicht mehr hell sonder dunkelhäutig.
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Bei den Masai

Auch war die Landschaft nicht mehr flach, sondern es boten sich herrliche Gebirgsmassive als auch Schluchten (Rift Valley) dar. Bevor wir uns von Nairobi jedoch auf den Weg nach Mombasa machen wollten, um dort eine Schiffsverbindung nach Indien zu ergattern, wagten wir einen Sprung in den Norden des Landes, um ein wenig mehr von diesem herrlichen Land zu sehen. Auch besuchten wir verschiedene Wildparks und in einem schlugen wir sogar unser Zelt auf. So machten wir Bekanntschaft mit vielen Wildtieren, wie: kleinen und größeren Affen, Pavianen, Warzenschweinen und etwas mehr aus der Ferne, mit Giraffen, Zebras, Büffeln, Nashörner und Nilpferden.
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Zebra-Streifen

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Giraffen an der Strasse

Es geschah sogar, wir zelteten gerade im Nakurunationalpark, dass in einer Vollmondnacht nachts plötzlich sich ein Schatten auf unserem Zelt abzeichnete, der von einem Jaguar oder ähnlich großer Wildkatze her stammte. Nach diesen Wildausflügen begaben wir uns nach Mombasa. Hier wartete jedoch eine Überraschung auf uns, denn wieder einmal war eine Schiffsverbindung wie angedacht nicht möglich. Es gab zwar ausreichend Schiffsverbindungen zwischen Kenia und Indien, wie wir in den Schiffsagenturen in Erfahrung bringen konnten, aber Heuertags werden auf diesen keine Passagiere mehr mitgenommen. Wieder einmal musste umdisponiert werden und wir bestellten mal wieder ein Flugticket gen Indien. Ein paar Tage verbrachten wir noch damit die Küste von Kenia etwas abzufahren, doch dann mussten wir zurück nach Nairobi. Und damit wir nicht die gleiche Strecke zweimal zurücklegen auf dem gleichen Weg, hatten wir uns Zugtickets besorgt. Das verladen in den Zug ist, Dank Unterstützung des Bahnhofchefs, gut abgelaufen und wir konnten zwei Sitzplätze neben unser Gepäck für uns in Beschlag nehmen.

Alles war in Mombasa gut abgelaufen, wir hatten anschließend ausreichend Zeit, um auf den Flughafen zu kommen, wenn wir in Nairobi ankamen, also was sollte da noch schief gehen? Doch die Uhren gehen anders in Afrika und zweitens kommt es dort meistens anders als gedacht. Nach eineinhalb Stunden Zugfahrt ging plötzlich nichts mehr weiter. Wir standen mit unserem Zug auf irgendeinem kleinen Vorortsabstellgleis und nichts rührte sich mehr. Die Zuginformation, wenn auch in Deutschland nicht gerade die Beste, war hier mehr noch als ein Fremdwort. Nach zwei Stunden des Stehens konnten wir endlich in Erfahrung bringen, dass der entgegenkommende Zug aus Nairobi, die Strecke ist eingleisig!, eine Panne hatte und geborgen werden musste. Nach weiteren vier Stunden, es war nun mittlerweile 11 Uhr nachts, kam dann aus Mombasa der Bergungszug an uns vorbei, doch dann war wieder Totenstille. Nur die Moskitos hatten ihre Freude an unseren kochenden Blut. Wir überlegten uns, dass, wenn der Zug bis 6 Uhr morgens losfahren sollte, es zeitlich noch einigermaßen hinhauen sollte. Doch wenn nicht, dass heißt wenn dann der Zug noch immer stehen sollte, wir eine Alternative in Betracht ziehen müssten. Diese Alternative sah vor, alles zusammen zu packen, mit den Rädern zur Hauptstrasse sich durch zu schlagen, um dann einen Transport, per Bus oder LKW, nach Nairobi aufzutreiben. 6 Uhr morgens kam und der Zug stand immer noch. Also fuhren wir so schnell es ging zur Hauptverbindungsstrasse, welche zum Glück nicht allzu weit entfernt lag und machten uns daran, eine Transportmöglichkeit zu finden. Aber auch hier kamen wir vom Regen in die Traufe. Alle Transporte die in Richtung Nairobi unterwegs waren, waren gerappelt voll und keiner konnte uns mitnehmen. Jetzt war guter Rat teuer. Einen Strohhalm gab es noch, an den wir uns klammern konnten. Die Idee war, so schnell als möglich nach Mombasa zurück zu radeln, um dort vom Flughafen einen Flug nach Nairobi noch zu erwischen. Also, wieder stracks auf die Räder und zurück Mombasa. Die Strasse ging zwar bergab, doch einen Teerbeleg hatte diese Strasse, obwohl die Hauptverkehrsader des Landes, wohl noch nie gesehen. Total erschöpft und verdreckt erreichten wir so gegen etwa 11:00 Uhr morgens den Flughafen. Um die Leute dort nicht zu sehr zu verschrecken, wir sahen fürchterlich aus, entledigten wir uns erst mal, so gut wie es ging, auf der Toilette dort von unserem Schmutz. Bestimmt zwei Kilo konnten wir abwaschen und ein Weiteres blieb in Klamotten und sonstigen Ritzen noch hängen. Dann bin ich zum Flugschalter gespurtet und Mun Suk bewachtet derweil unsere Sachen. Freudestrahlend kam ich nach etwas mehr als einer Stunde zurück mit zwei Tickets in der Hand. Zwei Stunden bis zum Abflug hatten wir noch Zeit. Auch sollten wir rechtzeitig, etwa 3 Stunden vor Abflug nach Mumbay (ehem. Bombay), in Nairobi ankommen. Eine Zitterfrage gab es noch und zwar das Übergewicht. Wie üblich gab es 20 kg Freigepäck sowie ein bis zwei Handgepäckstücke. Somit, um das Gewicht zu drücken, bei den Sachen die wir aufgeben mussten, verfrachteten wir alle schwere Sachen in unser Handgepäck. Wie man das halt sonst auch so macht. Dann am Schalter warteten gleich zwei Hiobsbotschaften auf uns. Zum einen sollte alles Gepäck, also auch das Handgepäck, gewogen werden, von welchem dann 10 kg Freigepäck für das Handgepäck abgezogen werden sollte und zum anderen und weitaus schlimmeren Teil, war der Zielflughafen dieses Fluges nicht identisch mit dem Abflughafen unseres Fluges nach Mumbay. Mit all diesen Botschaften und dem Stress zuvor, brannten dann bei Mun Suk alle Sicherungen durch. Sie brüllte mich an und fing lauthals an loszuweinen. Alle Beschwichtungsversuche meinerseits als auch seitens des Bodenpersonals der Fluggesellschaft schlugen fehl. Der Tränenfluss war nicht zu stoppen. Jetzt passierte aber etwas, mit dem wir zuvor in unseren kühnsten Träumen nicht zu rechnen gewagt hätten. Das kenianische Bodenpersonal konnte mit dieser Situation überhaupt nicht umgehen. Je mehr Tränen bei Mun Suk flossen, um so verunsicherter wurden sie. Auch der herbeigeeilte Bodenpersonalchef konnte nichts ändern. Und so geschehen doch Wunder. Nach etwas mehr als einer viertel Stunde des Weinens, mussten wir dann nichts für unser Übergewicht zahlen und man bot uns auch noch einen freien Transport zum anderen Flughafen an. Ich muss erwähnen, damit man mir diesen Umstand nicht anlastet, das ich zuvor beim Ticketkauf natürlich darauf mehrfachst hingewiesen hatte, dass wir einen Weiterflug haben und zum internationalen Flughafen in Nairobi müssen.

Die Tränen waren längst getrocknet, der Transport und das anschließende Einchecken in Nairobi verlief ohne Komplikationen und wir landeten früh Morgens gut in Mumbay. Mit dem Taxi, alle beiden Fahrräder samt Gepäck und Anhänger sowie uns beiden wurden von einem Auto der Größe eines Trabbi transportiert, fuhren wir in die Innenstadt und in der Nähe des Bombaygate, fanden wir Quartier. Wieder einmal war der Sprung gewaltig. Alles war anders als zuvor. Tolle und auch nicht so tolle Gerüche flogen einem an der Nase vorbei. Es war Anfang Dezember 1998. Drei Monate bewegten wir uns anschließend mit unseren Rädern durch Indien, diesem total andersartigen Land und überall wo wir anhielten umlagerte uns ein Menschenschwarm und schaute wie gebannt auf uns unsere eigenartigen Sachen.
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Immer eine Atrraktion wert

Keiner der Leute traute sich jedoch uns anzusprechen und man hörte nur immer wieder aus der Menge das selbe Wort heraus. Gear Bike. Soll heißen, ein Fahrrad mit Schaltung. IN Indien nämlich, wo die meisten noch mit dem Fahrrad unterwegs sind, gibt es nur Fahrräder ohne Schaltung. Von daher waren nicht nur wir, sondern auch unsere Räder ein ungewöhnliches Ereignis für die Leute dort.
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Die üblichen Verkehrsmittel in Indien

Weihnachten und Sylvester verbrachten wir ohne zu feiern für uns allein, denn das Land kennt diese Bräuche nicht. Wir passierten, Udaipur u.a. bekannt durch eine James Bond Film Pussycat (dieser Film wird dort überall zum Abendessen als Video gezeigt), Agra, natürlich weltweit bekannt durch das traumhaft schöne Taj Mahal und Jaipur, bekannt wegen seinem Palast der Winde (welches jedoch eine reine Fassadenarchitektur ist und nur den Sinn hatte, den Frauen des Maharadscha, es müssen schon etliche gewesen sein, einen geschützten Blick feilzubieten, um die stattfindenden Umzüge mitverfolgen zu können). Nach drei Monaten dann gelangten wir nach Kalkutta und uns war es genug mit den Gerüchen und dem Schmutz, welche wir allerorten frei sichten und riechen konnten.
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Öffentliche Müllstelle inkl. Schweine

Mal wieder stand ein Flug bevor, doch diesmal verlief von Anfang an alles Reibungslos und ohne Zwischenfälle. Wie eigenartig.

Der Sprung war zwar diesmal Distanz mäßig nicht sehr groß, doch der Unterschied zwischen den Kulturen war gewaltig. Hier war denn auf dem Flughafen schon alles viel sauberer und Mun Suk kamen diesmal Freudetränen in die Augen. Sie war sogar schon drauf und dran es dem seinerzeitigen Papst gleichzutun und den Boden zu küssen, doch davon konnte ich sie jedoch zum Glück noch abhalten. Thailand war also für uns eine Erholung gewesen. Ordentliche Strassen, keine Zick- Zackfahrt um Schlaglöcher und sehr, sehr freundliche Menschen. Wir mussten in Bangkok auf eine Frachtsendung aus Deutschland warten und weil wir nicht wussten wie viel Tage dies noch dauern sollte, machte wir einen Kurztrip mit Rädern und abgespeckter Ausrüstung in den Norden des Landes, nach Chiang Rai und Chang Mai. Anschließend, die benötigte Austauschteile waren gut aus Deutschland angekommen, samt geschmolzener Schokolade, die Eltern meinen es halt doch zu gut mit einem, machten wir uns auf den Weg gen Süden.
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Thailändischer Tempel

Auch stand wieder ein Inselhopping an, den Koh Tau, Koh Phangna und Koh Samui standen auf unserer Route.
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Auf Koh Tau

Viel zu schnell ging diese Zeit vorbei und wir setzen schon wieder über nach Malaysia. Dieses Land streiften wir eigentlich nur kurz, auf der Insel Penang, um von dort nach Medan auf Sumatra überzusetzen.

In einem Bananenspeedboot (es sah fast wirklich wie eine Banane aus) erfolgte die etwas ruppige Überfahrt. Gut durchgeschüttelt und nicht gemixt verließen wir das Boot im Hafen von Medan. Über 13000 Inseln warteten nun auf uns, den Indonesien hat so viel davon zu bieten. Nicht alle wollten wir besuchen und haben dies natürlich auch nicht getan.
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An der der Küste auf Sumatra

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Nord-Süd

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Mittagsrast mit Salzkeksen als Hauptgericht

Doch allein auf Sumatra, der Größten der ganzen Inselgruppe, haben wir uns fast zwei Monate aufgehalten, so dass wir erst mal wieder das Land verlassen mussten, um unser Touristenvisa aufzufrischen. Ein 60 Tage Visa ist halt wirklich mehr als zu wenig für dieses riesige Land. Wir besuchten aber zuvor in Sumatra  eine Orang Utan Rehabilitationsstation, die Insel Tuk Tuk, welche in einem riesigen Kratersee liegt und fuhren dann, ziemlich abenteuerlich, mit einem Passagier/Frachtboot einen langen Fluss hinunter, setzen über das offenen, um kurz vor Singapur auf einer kleinen Inseln an Land zu gehen. Die Räder und das meiste Gepäck haben wir auf der Insel dann gelassen, um kurz nach Singapur zu jetten, um wie gesagt unser Visum wieder aufzufrischen. Singapur was für viele ein Mekka zum einkaufen sein soll, war uns dann zuviel der Hektik uns des Modernismus. Wir hatten uns schon zu sehr auf unserer Reise an andere Lebensverhältnisse gewöhnt und der Unterschied zu Indonesien war uns zu gewaltig. Schnell verließen wir denn so auch wieder dieses kleine Eiland, nahmen unsere Sachen wieder im Empfang und bestiegen ein riesiges Fährschiff um nach Jakarta überzusetzen.

Nach kurzem Aufenthalt in der Hauptstadt suchten wir das Weite. Es ging ins Land hinein, die Berge hoch. Nachdem wir die ganze Zeit der Hauptverkehrsstrasse des Landes gefolgt sind kamen wir in Bogor an, dem damaligen Sommersitz des noch amtierenden Präsidenten Suharto. Nach 30 Jahren standen, nachdem die Bevölkerung die Diktatur von Suharto nicht mehr duldete und es überall Demonstrationen im Lande gab, zum ersten mal wieder freie Wahlen an. Überall waren bunte Truppen zu sehen, Rote, Grüne, Gelbe und Blaue die für eine Partei mit viel Lärm und pompösen Gehabe warben. Wir hatten aber weder auf diese Aufmärsche Lust noch auf die stark befahrene Strasse. Also schauten wir unsere Straßenkarte an und entdeckten einen unbedeutenden Weg im Süden der Insel an der Küste entlang. Wir versuchten herauszufinden, in welchem Zustand der Straßenverlauf dort ist und man gab uns die Information, dass die Strasse zwar teilweise etwas steil sein soll aber ansonsten in einem guten Zustand und geteert. Hoffnungsvoll machten wir uns daher auf nach Süden. Unterwegs fragten wir sicherheitshalber noch mal nach, doch auch hier war die Auskunft die Gleiche. Also, was sollte noch passieren? Ihr ahnt es, natürlich musste etwas passieren. Die vorhergesagte gute Strasse entpuppte sich nach halber Strecke nur noch als kleiner Pfad. Ungeteert und nur teilweise mit einer Decke von grob gespaltenen Steinen sowie vermehrt mit größeren Schlammlöchern übersäht. In Erwartung eine Asphaltierte Strasse vorzufinden hatten wir auch einen nicht so großen Wasservorrat dabei, denn der nächste Ort war von unseren Tagesstartpunkt nur 50 km entfernt. Nun aber sah die Sachlage ganz anders aus. Umkehren? Ich dachte daran. Das hätte aber mindestens drei bis vier Tage zurück Bergauffahren bedeutet, um dann wieder an der Hauptstrasse anzugelangen, von der wir abgebogen sind. Andere Wege gab es keine. Mun Suk war das zuviel und sie beschloss für uns beide das wir weiterfahren. Nun gut. Rechts und links des Weges gab es große Kokosnussplantagen. So musste es also auch irgendwo Menschen geben. Weil aber unser Wasservorrat sich dem Ende näherte versuchten wir Kokosnüsse zu pflücken. Hoffnungslos. Uns fehlte es an der Leichtigkeit mit denen die Einheimischen die Bäume hinaufkommen. Da näherte sich ein Landarbeiter und mit viel Verrenkungen konnten wir ihm mit Hand und Fuß erklären, was wir wollten. Ruck Zuck hatte er ein paar Kokosnüsse für uns vom Baum geholt. Auf einem Stein am Boden klopften wir die Nüsse vorsichtig auf, so dass wir an das begehrte Nass im inneren herankamen.
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Kokusnussmilchtankstelle

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Hardcore cycling auf Java

Ihr glaubt nicht wie lecker so eine Kokosnussmilch sein kann. Sowieso hatten wir zuvor an den Obstständen, die sich in Südostasien öfters am Wegesrand finden, immer wieder einmal diesen Saft gerne getrunken, doch in dieser Situation war er bestimmt doppelt so lecker. Wir füllten uns Wasserflaschen mit dem Saft auf und fuhren bzw. schoben weiter, unseren Weg entlang. Kurz bevor die Dämmerung einsetzte erreichten wir ein kleines Dorf. Nachdem wir uns wegen einer Unterkunft durchgefragt hatten, landeten wir bei einer Familie im Haus, wo der Mann ein wenig Englisch sprach und uns ein Haus bzw. ein Zimmer davon als Pension anbot. Zum Abendessen wurde ein Huhn frisch geschlachtet und danach wir plauderten ein wenig, über Gott und die Welt. Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns herzlichst von der Familie, drückten der Frau einen Geldbetrag in die Hand, etwa soviel was uns ein einfaches Hotel und ein Essen gekostet hätte, und zogen weiter auf dem Pfad. Wir hatten noch etwa 20 km vor uns, doch um diese zu bewältigen, benötigten wir den ganzen Tag. Dann endlich hatten wir einen Ort, direkt am Meer mit einem einsamen, langen, schwarzen Sandstrand erreicht. Von hier aus gab es dann wieder Anschluss an die Zivilisation in Form einer Teerstrasse.
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Fast alleine am einsamen Strand


Auf Java suchten wir noch Yogyakarta, einen kulturell sehr bedeutenden Ort, auf und bestiegen den aktiven Vulkan Mt. Bromo. Danach wechselten auf das "Urlaubsparadies" Bali über. Auch hier erholten wir uns ein wenig von den zuvor erlittenen Strapazen, um danach weiter gen Osten, von Insel zu Insel zu fahren.
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Auf Bali

Von Sumbawa aus stand wieder eine größere Schiffspassage nach Sulawesi an. Per Erster Klasse Ticket, nicht unbedingt des Luxus wegen (was definitiv auch keiner dort ist), sondern vielmehr der Sicherheit wegen, kamen wir nach 20 Std. Passage an. Wir machten uns nun auf den Weg nach Norden, denn ein paar tausend Kilometer weiter oben lag schon unser Ziel, Korea. Zuvor jedoch durchfuhren wir noch Sulawesi z.T. und besuchten den Ort Suaya. Dieser Ort ist eine kulturelle Oase, denn in dem ansonsten muslimisch geprägten Inselstaat, ist dieser Flecken von christlich geprägt. Toraya nennen sich die Leute dort und das Besondere dort sind die von Ihnen praktizierten Totenkultbräuche.
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Die Häuser der Toraya

Denn wenn dort ein Bewohner dieses Kulturkreises stirbt, so kommt er nicht sofort, nach dem Glauben der Leute, in das Totenreich, sondern zuerst in ein Zwischenreich. Um aber in das Totenreich aufsteigen zu können, müssen durch seine Verwandte Opfergaben dargebracht werden. Hierin liegt nun die Krux warum so viele Touristen dieses Opfergabenfest sehen möchten, denn bei den Opfergaben handelt es sich größtenteils um Tiere, welchen die Kehle durchgeschnitten wird und das Blut strömt frei auf den Opferplatz. Es könne aber nicht von den angehörigen irgendwelche Tiere zur Opferung dargebracht werden, denn durch einen Priester (bestimmt kein katholischer) wird zuvor festgelegt, wie viele Tiere und von welcher Art her dargebracht werden müssen. Abhängig ist die Art und Menge von der zuvor ausgeübten gesellschaftlichen Position des Verstorbenen. So kann es also vorkommen, wenn z.B. eine höhere Persönlichkeit das zeitige gesegnet hat, dass die Familie dann mehrere Wasserbüffel, Schweine, Hühner, etc. aufbringen muss. 30 Wasserbüffel für ein Dorfvorsteher ist, so glaube ich, eine gut geschätzte Zahl. Ein Mehr natürlich an Schweinen und Hühnern noch dazu. Als wir vor Ort waren haben uns die Leute gesagt, dass in ein paar Tagen eine solche Zeremonie anstehen sollte, doch, entgegen des Touristen Mainstream, hatten wir keinen Bock darauf zuzusehen, wie viele Tiere wahllos abgeschlachtet werden.

Unser Visum näherte sich allmählich dem Ende und noch war eine gewaltige Strecke zurückzulegen. Wir beschlossen daher, mit einem Bus das Ganze etwas abzukürzen. Hätten wir aber vorher gewusst, wie bequem diese Busfahrt abläuft, wären wir garantiert mit dem Fahrrad schneller weitergefahren. 30 Stunden saßen wir eingepfercht, umringt von Kisten, Menschen und Hühner, in einem kleinen Bus. Unsere Sachen waren alle auf dem Dach verstaut, zusammen mit tausend anderen Sachen der Reisenden noch. So kamen wir, wie gesagt, nach etwas mehr als 30 Stunden abends um 20:00 Uhr in Mindanao an. Schnell suchten wir eine Unterkunft auf und informierten uns danach, wir die Weiterkommmöglichkeiten nach den Philippinen aussahen. Wir erfuhren, dass am nächsten Tag früh morgens ein Schiff, welches Passagiere mitnimmt, auslaufen soll und das nächste voraussichtlich erst in einer Woche oder auch zwei oder drei auslaufen wird. Erholung war also keine angesagt. Eine kurze Nacht verbrachten wir im Hotel, verluden am nächsten Morgen unser Hab und Gut in ein Taxi, um zu dem Hafen, erlag 30 km entfernt vor der Stadt, zu fahren. Schnell kauften wir zwei Passagen für uns auf Deck, erledigten die Zollformalitäten und checkten ein. Aus dem angesagten frühen Start um 09:00 Uhr vormittags wurde dann aber ca. 15:00 Uhr nachmittags. Was soll's. Auch hier verbrachten wir 30 Stunden an Bord dieses Seelenverkäufers, oben auf Deck auf unseren Isomatten. Essen hatten wir rasch zuvor noch etwas eingekauft, doch glücklicherweise war die Überfahrt mit Halbpension, soll heißen: zweimal am Tag wurde auf dem Deck direkt etwas gekocht.

Etwas gerädert und mit schwankendem Gang verließen wir das Schiff auf Davao. Wir suchten ein Restaurant auf, es war Mittagszeit, um eine Kleinigkeit zu uns zu nehmen. Das Angebot war nicht sehr üppig und in einer kleinen mehr oder weniger Pizzeria machten wir halt. Außer uns war nur die Bedienung anwesend. Plötzlich hatten wir das Gefühl, das sich alles etwas bewegt. Mir schrieben das zuerst dem noch anhalten Nachgefühl der Schiffspassage zu, doch da bemerkte die Bedienung mal gerade so nebenbei: „"Oh, maybe this was an earthquake  (Oh, das war wohl ein Erdbeben!). Ein schöner Willkommensgruß also auf den Philippinen. Es war aber wirklich nicht so schlimm, halt nur unsere erste Erfahrung unterwegs, mit einem Erdbeben, der leichteren Stärke. Später erfuhren wir dann, das viel weiter im Norden ein Vulkan, der Mount Mayon, nach langer Zeit wieder aktiv geworden ist und später sind wir an diesem dann auch direkt vorbeigefahren. Zuvor aber hatten wir im Süden der Philippinen noch ein paar Schlenker auf verschiedene Inseln gemacht, wie: Bohol, Cebu, die Christmas Inseln, Samar, Mindoro um dann schließlich, wir hatten den Vulkan Mayon bereits passiert (leider, oder auch zum Glück, beschränkte sich die erneute Aktivität auf ein paar Rauchwölkchen), auf Luzon überzusetzen.
Tour01_023
Die Philippinischen Bamboo-Boote

Tour01_024
Stürmische See auf den Philippinen

Nach einer Woche auf Luzon erreichten wir Manila, die Hauptstadt des Landes. Hier suchten wir die Taiwanesische Botschaft auf, um uns zwei Visa für das Land abholen zu wollen. Doch zuerst ließen sie uns nicht ein, den ich war mit kurzen Hosen und Sandalen unterwegs. Hmmhhh. Also am nächsten Tag nochmals hin, wieder wollte mich der Türvorsteher nicht einlassen, ich hatte ja noch Sandalen an, da präsentierte ich ihm meine Wanderschuhe, andere geschlossene Schuhe hatte ich sonst keine mit auf Reisen, zog sie demonstrativ vor dem Eingang an und wir konnten endlich passieren. Jetzt wartete aber die nächste Überraschung auf uns. Man wollte uns nämlich keine 90 Tage, welche uns eigentlich zustanden, gewähren, sondern man wollte uns nur 30 Tage geben. Wir versuchten dem Beamten klarzumachen, dass wir unmöglich in 30 Tagen, es wäre zwar gegangen aber gesehen hätten wir so kaum etwas von dem Land, mit den Fahrrädern die Insel bereisen konnten. Es half aber nichts. Er wendete sich höflich wie ein Aal, aber mehr als 30 Tage könnte er uns nicht zugestehen. Wir waren nun bereits 14 Monate unterwegs und hatten so langsam genug vom Reisen. Also beschlossen wir, der Insel Formosa, so hieß Taiwan ursprünglich und für mich klingt dieser Name viel schöner, die kalte Schulter zu zeigen und uns direkt nach Korea zu begeben. Dort wollten wir dann, um die versäumte Strecke auf Formosa etwas auszugleichen, dann noch eine größere Tour, rings um das Eiland machen.

So landeten wir denn auf im September ´99 in Seoul auf dem Flughafen. Schwierigkeiten gab es so gut wie keine beim einchecken, doch bei auschecken bemerkte ich das meine Schaltung, der hintere  Umwerfer, total verbogen und auch an einer Seite gebrochen war. Nach etwas Verhandlung mit der Fluggesellschaft willigten diese dann ein, für die Kosten eines neuen Umwerfer aufzukommen. Dann konnten wir endlich auschecken und hier wartete dann auch schon sehnsüchtig unsere komplette Familie aus Korea. Welch ein Empfang. Aber wie es in Korea halt auch zu sich geht, viel Zeit lässt man sich dabei nicht. Schnell wurde alles verladen und es ging zu der Wohnung der Schwester von Mun Suk. Die Eltern mussten noch warten, denn auch ein Motto der Reise war: "Besuch bei den Schwiegereltern", doch diese wohnten in Gangneung, genau auf der anderen Seite der Halbinseln. Aber sofort konnten bzw. wollten wir uns noch nicht auf den Weg zu meinen Schwiegereltern mit unseren Rädern machen, denn in Korea war die Regenzeit diesmal noch nicht zu Ende. Also warteten wir noch drei Wochen, bevor wir zur Umrundung der Halbinsel aufbrachen. Jetzt aber war das Reisegefühl plötzlich ein ganz anderes. Wir hatten ja unser Zielland erreicht, alle Leute schon getroffen und so war dieser Teil der Tour irgendwie anders, gefühlsmäßig. Für mich war es jedoch herrlich, auch mal andere Teile des Heimatlandes meiner Frau kennen zu lernen, als zuvor bei meinen Besuchen im Land. Wir fuhren, weil uns das Meer wie immer anzog, möglichst nach an der Küste, zuerst Richtung Süden. Auch wenn das Land leider kein Billigreiseziel ist, wer noch etwas unverfälschte Kultur hautnah kennen lernen möchte, der kann dies in diesem Land finden. Diese findet man sehr schnell, wenn man sich außerhalb der großen Zentren bewegt. Zum Schluss wurde die Tour dann noch mal richtig anstrengend, denn als wir die Ostküste hinauf nach Norden fuhren, ging es an der Küste immer wieder einmal steil hoch und runter. Dann, am 31.10.1999, erreichten wir endlich unser Endziel, Gangneung.
Tour01_025
Unterwegs in Südkorea

Nochmals, schon zuvor unterwegs wie in Seoul und Mokpo, begleitete uns wieder ein Fernsehteam ein wenig des Weges, um dann über uns zu berichten. Weitere Pressetermine standen nach Abschluss der Tour an, den das eine Koreanerin so etwas mit dem Fahrrad unternommen hat, war das Erste Mal. Insgesamt blieben wir noch bis zum März des Folgejahres im Land. Ich jettete zwischendrin kurz nach Deutschland, um unser Filmmaterial, alle Diafilme hatte ich zum entwickeln nach Deutschland geschickt, abzuholen, um dann damit zwei Fotoausstellungen vorzubereiten und dann auch durchzuführen. Eine Ausstellung war in der Hauptstadt und die andere in der Heimatstadt meiner Schwiegereltern, Gangneung. Damit war dann unsere Tour wirklich abgeschlossen.


Buch zur Fahrrad-Welt-Reise
Teil I, Deutschland - Korea

Titel: Gohmug Namu-Oah
          Gämi-Uih
          (Großer Baum und
          kleine Ameise)

Author: Mun Suk Wehrheim

Sprache: koreanisch

leider vergriffen

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