Afuera del desierto por las montañas fuertes  (Ecuador, 20.09.2007 bis 28.11.2007)
Raus aus der Wüstengegend und rein in die harten Berge

Nach langer Zeit mal wieder eine Grenze in Südamerika passiert. Klar wir haben nun bereits schon einige Male Grenzen passiert, aber wenn man so lange sich in einem Land aufhält wie wir, dann kommt einem jeder erneute Grenzübertritt wieder wie ein halbwegs mystisches Ereignis vor. Doch normalerweise, wenn man eine Grenze passiert, dann sind die Veränderungen zuerst, sei es von der Art und Weise wie die Menschen im neuen Land wohnen oder wie sie sich verhalten, nicht so stark. Hier in Ecuador waren die ersten Eindrücke jedoch sehr different zu denen, welche wir in Peru zuvor sammeln konnten. Zu allererst konnte man den Unterschied an den Autos in Macará, dem Grenzort in Ecuador wo wir einreisten, festmachen. Hier gab es nunmehr viele niegelnagelneue 4x4 Pick-Ups aus den USA und Fernost. In Peru waren es eher normale Pkws und diese hatten auch schon einige Jahre auf dem Buckel. Der nächste und für uns eher fühlbare Unterschied lag dann an den Menschen selbst. Wurden wir in Peru noch allenthalben viel gegrüßt oder wollten die Menschen einfach unsere Aufmerksamkeit auf sich lenken, so waren hier nun die Menschen so gut wie teilnahmslos, kein Gruß, keine interessierten Blicke. Ein Gefühl, als wenn man plötzlich aus einer lauten Großstadt in die stille Wüste kommt (nah ja, der weitere Lebensstil war dann aber genauso geräuschvoll, wie in anderen südamerikanischen Ländern auch).

Peru war während der letzten Kilometer noch ganz angenehm zu radeln. Es ging zwar schon etwas in die Höhe, doch der Anstrengungsgrad war noch gut erträglich. Schlagartig änderte sich dies nun in Ecuador. Direkt nach Macará standen die Berge plötzlich wie eine senkrechte Wand an. Für die erste Tagesetappe hatten wir uns gar nicht so viel vorgenommen, lediglich 44 km wollten wir an diesem Tag radeln, doch ein extrem steiler Anstieg, wo 750 Höhenmeter zu erklimmen waren, raubte uns die Kräfte. Warm genug war es zudem auch, so dass wohl mehr Schweiß floss, als das wir Wasser zu uns nehmen konnten. Am Nachmittag, als wir endlich oben auf der Höhe waren, befand sich zum Glück ein kleiner Ort an der Strasse und im Dorfgemeinschaftshaus fanden wir Quartier für die Nacht. Am nächsten Tag wurde dann all die zuvor aufgebaute Höhe innerhalb von ein paar Minuten wieder zu Nichte gemacht, was die Berge aber auch nicht daran hinderte, sich gleich nach der Abfahrt wieder in den Weg zu stellen. So ging es den munter weiter bis Loja, wo wir ziemlich ausgelaugt dann ankamen.
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Kirche in Loja

Es war die erste größere Stadt für uns in Ecuador mit etwa 120.000 Einwohnern. Wieder gab es einen Unterschied festzustellen, die Stadt war für südamerikanische Verhältnisse sehr sauber und hatte zudem einiges an kolonialer Architektur aufzuwarten. Noch besser wurde das Ganze dann in Cuenca, mit einer wirklich schönen Altstadt, welche gerechtfertigter Weise unter Unesco Schutz steht. Der Weg dorthin, nach Cuenca, war aber wieder erst einmal harte Arbeit. Ursprünglich wollten wir die Panamericana direkt nehmen, doch wie der Zufall es wollte, verpassten wir diese und befanden uns auf der alten Verbindungsstrecke von Loja nach Cuenca. Der Weg zuerst war noch ganz angenehm, es ging durch ein enges grünes Tal und Verkehr war so gut wie keiner zu verbuchen. Die Strecke war zwar unasphaltiert und es mussten auch ein paar größere Schlammpfützen durchquert werden, doch die Ruhe und die Landschaft ließen uns diese Strecke zuerst sehr genießen.
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Auf der alten Verbindungsstrecke von Loja nach Cuenca

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Auf der alten Verbindungsstrecke von Loja nach Cuenca. Diebe haben hier nichts Gutes zu erwarten, denn es heißt auf dem Schild: An die Diebe. Die Einwohner aus Solamar sind nicht für das Leben von ihnen verantwortlich. Auch dulden wir keine ambulanten Verkäufer hier.

Dann, etwa ein Drittel der Tagesetappe war geschafft, hieß es steil bergauf zu fahren. Sehnlichst hielten während dieser Bergauffahrt Aussicht nach einer Unterkunft oder einem sicheren Platz zu campen, doch beides war leider nicht aufzutun. So hieß es halt Zähne zusammen beißen und durch bzw. hinauf auf den Berg. Spät am Abend erreichten wir so unser Ziel in Saraguro. Zwei Nächte, um unsere Reserven wieder auf Vordermann zu bringen, blieben wir in diesem kleinen Nest. Das Wetter wurde zusehends schlechter und feuchter. Vom nächsten Ort, Oña, nahmen wir dann einen Transport per Pickup, zum einen um dem schlechten Wetter zu entfliehen und zum anderen, weil es auf über 110 km keine Herbergsmöglichkeiten gab. So wie gesagt erreichten wir am 30.09. Cuenca, wo wir beschlossen für eine gute Woche auszuspannen.

In Cuenca quartierten wir uns gut und für unsere Verhältnisse eigentlich etwas zu luxuriös im Hotel 'La Posada del Rey' ein, doch da wir dort für eine Woche bleiben wollten, konnten wir den Zimmerpreis dementsprechend gut herunter handeln. Die Stadt war schön und ruhig und das historische Ambiente sowie die zahlreichen touristischen und auch nicht touristischen Lokale und Cafes konnten wir nun zu Genüge ausprobieren. Dann jedoch hieß es wieder aufsatteln. Diesmal aber ging es zum Glück nicht bergauf, denn wir wollten zur Küste hinunter und das bedeutete nun größtenteils nur bergab fahren. Unsere erste Tagesetappe führte uns nach Giron, wo es einen netten Wasserfall zu besichtigen gab. Weiter ging es, wie gesagt, meistens bergab. Das Tal in dem wir entlang fuhren verengte sich zusehends. Das hatte nun zur Folge, das der Wind, welcher talaufwärts und uns entgegen wehte, immer stärker wurde. Fast hätten wir sogar unsere Räder bergab schieben müssen, denn so stark wehte er uns entgegen.
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Auf dem Weg von Cuenca zur Küste

Nachdem ein Engpass im Tal überwunden war, ließ der Wind abrupt nach, doch dafür waren wir nun, in die von dem Wind bergauf getriebenen Wolken, eingehüllt. Zum Glück regnete es nicht richtig aber die Nebeltröpfchen reichten aus, um unsere Kleidung bis auf die Haut zu durchnässen. Etwa 30 Kilometer fuhren eingehüllt in den Wolken, dann hatten wir diese durchquert und konnten unsere Brillen putzen, um wieder etwas klarer sehen zu können. Der erste Ort im Tiefland für uns war Paisaje, keine Besonderheit oder Schönheit, nur anders als die Städte in den Bergen. Hier war es nun viel hektischer und lauter und die Menschen, welches hauptsächlich Mestizen waren, versuchten hier auch wieder durch Pfeifen oder Rufen unsere Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

In Peru am 03.11.2006 und somit fast ein Jahr zuvor lernten wir Bernd und Andrea, ein ecuadorianisch deutsches Ehepaar, welches auf per Rad in Südamerika unterwegs war, kennen. Wir hatten nach dem Treffen auf offener Strasse dann och ab und zu ein wenig Emailkontakt. Bevor wir nach Ecuador einreisten meldeten wir uns bei Ihnen, den wir wussten, das sie von ihrer Tour bereits zurück waren. So erfuhren wir, das Andrea in Guayaquil eine Schwester hatte und sie selbst bot sich an und lud uns zu sich und ihrer Familie ein. Normalerweise gehen wir mit solchen Einladungen sehr vorsichtig um, denn wir wissen, das diese hier in Südamerika sehr schnell ausgesprochen sind, steht man dann aber vor der Tür machen die Leute dann doch etwas verdutzte Gesichter. Doch nach einem Telefongespräch mit Leoni, so heißt die Schwester von Andrea, stand fest, das diese Einladung nicht nur in den Wind gesprochen war und am 13.10.2007 trudelten wir so im Haus von Leoni und Mario, ihrem Mann, ein. Die Beiden, samt zwei Kindern, Maipi und Mario Junior, wohnten etwas außerhalb Guayaquils, in einer parkähnlichen Anlage. Herrlich, keine nervigen Stadtgeräusche und Autolärm. Wir blieben hier 4 Tage und arrangierten dabei unsere „Urlaubsreise" zu den Galapagos. Sonntags gab es dann noch ein schönes feucht fröhliches Grillfest im Hause, wozu Leoni und Mario Freunde aus der Umgebung eingeladen hatten. Dann, am 17.10.2007, unsere Räder und die meiste Ausrüstung ließen wir bei Leoni und Mario im Haus, flogen wir auf die Galapagos Inseln.
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Karte von den Galapagos Inseln

Fast der ganze Flug war in Wolken eingehüllt, doch kurz vor den Inseln verzogen sich die Wolken und türkisblaue Buchten strahlten uns entgegen. Vom Flughafen auf der Insel Baltra wechselten wir schnell per Bus und Boot auf die Insel Santa Cruz über, welches die Hauptinsel für die einfallenden Touristen, so wie wir auch, darstellte. Doch wieder Erwartens war der Haupttouristenort, Puerto Ayora, nicht besonders laut oder von Touristen zu überlaufen.

Gut, die meisten Touristen kommen hier nur auf der Insel an, um dann sich auch gleich auf die bereitstehenden Boote zu begeben, mit welchen sie dann auf Tour zu verschiedenen Inseln fahren. Wir überlegten uns zwar auch Gleiches zu tun, doch letztendlich waren uns die Kosten dafür zu hoch, denn mindestens 130 bis 150 $US musste man pro Tag dafür ansetzen (wer Lust und die notwendigen Finanzen hatte kann dort natürlich auch leicht das Doppelte oder noch mehr pro Tag dafür ausgeben). So bleiben wir auf der Insel, suchten uns ein Quartier und arrangierten den weiteren Verlauf unseres Galapagosaufenthaltes individuell und auf unsere Verhältnisse eher angepasst.

So besuchten wir am darauf folgenden Tag erst einmal die Charles Darwin Forschungsstation, wo Riesenschildkröten und deren Aufzucht zu besichtigen gab.
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Mun Suk mit einer Riesenschildkröte, in der Charles Darwin Forschungsstation

Danach machten wir einen Ausflug zur Tortuga Bay (Schildkröten Bucht), wo es zwar keine Schildkröten zu sehen gab, dafür aber umso mehr Iguanas (Meeresechsen, welche an Land leben aber von den Algen im Meer leben). Noch einen weiteren kleinen Ausflug unternahmen wir per Hafenrundfahrt, zu einer nahegelegenen kleinen Insel vor Puerto Ayora und zu den Las Grietas, einer kleinen Schlucht, wo sich Süß- und Salzwasser vermischt. Nach langem hin und her Überlegen, entschlossen wir uns dann auf gesonderte touristische Bootsausflüge zu verzichten und per Normaltransport zu anderen Inseln über zu setzen. Unser nächstes Ziel war dann die Isabela Inseln, welches die größte Insel des Archipels darstellt, aber nur sehr spärlich von Menschen bewohnt ist. Hier machten wir dann einen Ausflug per Pferd und zu Fuß zu ein paar Vulkanen dieser Insel. Der Krater des Hauptvulkans, welcher zuerst sich in Wolken verhüllte, auf dem Rückweg dann aber frei zu sehen war, soll der drittgrößte Vulkankrater der Erde sein. Wir haben keine Ahnung ob dies nun zutrifft oder nicht, aber mit seinen etwa 8 km Durchmesser ist dieser Krater doch schon enorm. Vor etwa 2 bis 5 Jahren war dieser Vulkan auch noch aktiv und die durch die Eruptionen ausgeworfene Lava füllte die ganze Grundfläche des Kraters aus. Auch war das vulkanische Leben noch nicht ganz erloschen, denn ganz schwach konnte man aus der Entfernung noch ein paar Dampfsäulen erkennen. Noch interessanter als der große Vulkan waren die kleinen Vulkane, welche nördlich hinter dem Großen lagen. Wir durchwanderten diese Gegend und fast konnte man sich auf dem Mars wähnen, so rot waren die Hügel und so abstrakt sahen manche vulkansteinmäßige Gebilde aus.

Auf Isabela unternahmen wir dann noch einen kleinen Bootsausflug zu einer direkt in der Hafenbucht vorgelagerten kleinen Insel. Hier konnten wir von oben aus in dem Wasser unter uns schlafende Haie beobachten und in einer anderen Bucht warteten Seehunde auf uns. Der Seebulle war jedoch von unserem erscheinen nicht sehr angetan und protestierte im Wasser lauthals und als wir zu nah an seinem Harem herankamen, kam er wild schnaubend aus dem Wasser heraus. Nachmittags unternahmen wir dann noch einen Schnorcheltauchgang und riesige Meeresriesenschildkröten zogen sanft an uns, ohne Hast, vorbei. Das die Tiere auf den Galapagosinseln so gut wie keine Scheu vor dem Menschen haben, dass ist für mich die eigentliche Hauptattraktion dieser Inseln. Vögel, Iguanas, Riesenschildkröten und Seehunde fast hautnah zu erleben ist schon etwas Besonderes.
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Seehund ruht sich auf einem Bootssteg aus. Insel Santa Cruz

Die Inseln an sich dagegen sind eigentlich sehr karg und für mein Empfinden nicht gerade sehr schön. Von der Insel Isabela aus wollten wir noch zur Insel San Cristobal übersetzen. Dazu mussten wir aber zuerst mit dem Boot nach Santa Cruz um dann am Nachmittag mit einem anderen Boot nach San Cristobal übersetzen zu können. Bisher nicht erwähnt hatte ich, dass das Meer rings um die Inseln herum und das auch bei schönem Wetter, schon einen ziemlich ruppigen Seegang aufweisen kann. Das liegt an den beiden bzw. drei Strömungen, welche von Norden und Süden her, als auch vom Westen in der Tiefe her, auf die Inseln zuströmen. Dementsprechend unruhig ist die See vor den Inseln und dementsprechend ruppig die Überfahrt in einem kleinen Schnellboot. Vorsichtshalber vor jeder größeren Bootsfahrt nahmen wir Reisemittel gegen Übelkeit ein, so dass außer den harten Schlägen durch den Wellengang keine weiteren Unannehmlichkeiten auf uns warteten. Doch nach zwei dreistündigen Bootsfahrten am Tag waren wir allein dadurch schon ziemlich groggy.

San Cristobal ist die östlichste Insel des Archipels und die Hafenstadt Puerto Baquerizo Moreno ist die Hauptstadt des Archipels. Auch ist diese Insel die meist und längst bewohnteste und allein in der Hafenstadt leben etwa 6500 Menschen. Viele Touristen kommen z. Z. auch nicht gerade auf die Insel, den zum einen hat sie keine weiteren zusätzlichen Highlights zu bieten und zum anderen ist der Flughafen auf der Insel z.Z. wegen Umbauarbeiten geschlossen. Man kann jedoch auf der Insel ein paar ganz nette Ausflüge zu Fuß oder mit einem Transport unternehmen. So z.B. zu einer sehr schönen und etwas Abseits gelegenen Bucht Namens Playa Tijeretas oder etwas weiter entfernt und per Transport und Wanderung zur Bucht Puerto Chino. Einquartiert waren wir hier in einer kleinen Bungalowanlage, fast direkt am Meer gelegen und ab dem späten Nachmittag mit Seehunden vor der Tür.

Am 28.10. ging es dann wieder aufs Festland nach Guayaquil zurück, wo wir dann nochmals 3 Tage bei unseren Freunden Leoni und Mario Unterschlupf fanden. Dann war es uns des Müßigtuns genug und wir wollten wieder zurück auf die Strecke. Wieder ans Meer wollten wir zurück, doch dafür mussten wir uns von Guayaquil erst einmal bis Salinas durcharbeiten. Die Ausfahrt aus Guayaquil, einem Moloch von Großstadt, war stressig und mit viel Verkehr verbunden, doch auf der Strecke außerhalb der Stadt ließ dann der Verkehr zum Glück etwas nach. In Salinas hatten wir dann noch mal das Glück kostenfrei einen Unterschlupf zu finden, den Mario und Leoni haben dort ein kleines Wochenendhaus etwas außerhalb des Zentrums, welches sie selbst kaum noch benutzen und uns so für unsere Tage in Salinas so zur Verfügung stellten. Das verleitete uns dazu nicht nur die angedachten 2 bis 3 Tage dort aufzuhalten, nein, zum Schluss waren es dann knapp eine Woche. Das wir dort umsonst wohnen konnten war aber nicht der Hauptgrund, warum wir uns so lange in Salinas aufhielten. Nein, denn wir trafen hier Mark & Brandy, ein US-amerikanisches Ehepaar, welches mit dem Boot um die Welt unterwegs ist, wieder. Die beiden hatten wir zuvor in Peru in Chachapoyas kennen gelernt und wir wussten, das sie mit ihrem Boot in der Nähe vor Salinas vor Anker lagen. Eigentlich lagen sie dort gar nicht vor Anker, den das Boot war aus dem Wasser draußen, weil sie einiges an Arbeiten daran zu erledigen hatten, doch dieser Umstand ist letztlich ja auch gar nicht so wichtig. Viel wichtiger war uns das wir sie wiedertreffen konnten und so hatten wir ein paar Tage Zeit mit Ihnen zu plaudern und Reiseerlebnisse auszutauschen.

Am 08.11. hieß es dann aber mal wieder Abschied nehmen. Jedesmal nach so einer langen Pause, sieht man mal von dem einen Tag zwischen Guayaquil und Salinas ab, waren wir über 3 Wochen nicht im Sattel gewesen, war der Wiedereintritt in das Radlerleben äußerst hart. Die Sitzmuskulatur hatte sich an normale Stühle gewöhnt und auch die Beinmuskulatur wollte wieder etwas aufgebaut werden. Glücklicherweise führte uns nun unsere weitere Route die nächsten Tage die Küste entlang, gegen Norden. So waren die Straßen- bzw. die Steigungsverhältnisse äußerst erträglich und es war angenehm dort entlang zu radeln. Nach zwei Tagen erreichten wir einen kleinen Ort, Namens Ayampe. Es war ein sehr kleiner, ruhiger und freundlicher Ort, wo wir uns im Hostal „Cuatro Estrellas" (Vier Sterne Hostal) einquartierten. Es handelte sich um einzelne Bungalows dort, doch diese waren nicht der Grund für die Angabe „Cuatro Estrellas". Diese hatten bzw. haben ihren Grund in seinem etwas rundlichen aber sehr freundlichen Besitzer. Schaut euch einfach das Foto von ihm hier etwas genauer an, dann wisst ihr warum.
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Hier könnt ihr die Cuatro Estrellas sehen.

Noch 3 weitere Tage hielten wir uns an der Küste auf, um dann letztendlich nach Westen ins Inland einzubiegen. Unser nächstes, weiter entfernt gelegenes Ziel war Puyo und hierfür wollten die Anden mal wieder überquert werden. Zunächst lag aber erst einmal sehr hügeliges Tiefland von etwa 250 Kilometern dazwischen. Der Nebel, welcher zu dieser Jahreszeit sich an der Küste hauptsächlich aufhielt verdichtete sich nun im Inland zu Wolken und als wir uns etwa 100 Kilometer landeinwärts aufhielten, fing es an, zuerst leicht und dann sehr konstant, zu regnen. Es war kein allzu starker Regen, doch mal wieder waren unsere Klamotten am Leib total nass und klebten am Körper. Zwar war die Strecke noch nicht im Hochgebirge, doch das hinderte das vorgelagerte Mittelgebirge nicht daran, sich uns in den Weg zu stellen und mit ein paar deftigen Aufstiegen auf uns zu warten. Gut durchgenässt und gut ermatten erreichten wir so ein kleines Nest Namens San Sebastian oben auf den hohen Hügeln. Zuvor in Manta oder Rocafuerte hatte man uns mitgeteilt, das es hier ein Hotel geben sollte. Doch waren diese Informationen ein halbes Jahrhundert wohl nicht aufgefrischt worden und so war von einem Hotel bzw. Hostal war weit und breit nichts zu sehen bzw. in Erfahrung zu bringen. Notgedrungen fragten wir daher bei der Polizei nach und der dort tätige Beamte hatte erbarmen mit uns und ließ uns im oberen Stockwerk in einem der Mannschaftsräume uns für die Nacht einquartieren. Am nächsten Tag hatte es zum Glück aufgehört zu regnen und so schlüpften wir in unsere noch halbwegs feuchten Klamotten und fuhren weiter. Wir erreichten einen weiteren lauten und unbedeutenden Ort, Namens Quevedo, doch da das Wetter mal wieder nicht sehr gut aussah, wechselten wir hier in einen Bus um und fuhren am folgenden Tag mit diesem bis Ambato. Somit sind wir nicht nur dem schlechten Wetter aus dem Weg gegangen, nein, auch den erneuten Aufstieg hoch in die Anden legten wir diesmal so im Bus zurück. Hier oben in den Bergen war das Wetter zwar auch durchwachsen, doch es blieb zum Glück größtenteils trocken, so das wir am nächsten Tag unsere Tour, mit Ziel Baños fortsetzen konnten.

Nach einer kurzen, dafür aber sehr steilen Ausfahrt aus der Stadt heraus ging es bis kurz vor Baños nur bergab. Das Wetter war schön, es wehte kein allzu starker Wind und die Abfahrt war richtig gut zu genießen. Kurz vor Baños ging es dann aber noch einmal bergauf, für etwa einen Kilometer. Dieser Aufstieg, nicht nur das er sehr, sehr steil war, sondern auch, weil durch die Bergabfahrt unsere Muskulatur total ausgekühlt war, raubte uns kräftig den Atem und wir beide mussten die letzten Meter nach oben kräftig schieben. Baños empfing uns danach aber recht freundlich und angenehm.
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Blick auf Baños mit dem dahinter gelegenen aktiven Vulkan, Tungurauah

Am Rande des aktiven Tungurauah Vulkans gelegen und ausgestatten mit warmen Thermalquellen, ist dieser Ort eines der touristischen Hauptziele des Landes, sowohl für die ausländischen als auch für die inländischen Touristen. Zum Glück kommen die Touristenströme hauptsächlich am Wochenende hier an, doch wir erreichten diesen Ort bereits am Mittwoch den 21.11.2007, wo er noch ziemlich ruhig und gemütlich dalag. Fast eine gute Woche hielten wir uns in Baños auf und ich nutze diese Zeit, um die neue Version unsere Homepage fertig zu stellen. Auch genossen wir mal wieder die touristischen Annehmlichkeiten und die warmen Thermalquellen vor Ort. Dann, am 27.11. ging es von Baños aus in einer schönen Tagestour, dem Pastazafluss bergab folgend, bis nach Puyo. Hier waren wir nun an einem Etappenziel mal wieder angelangt, denn von hier aus wollten wir die Sápara Indianer besuchen, doch dazu mehr im nächsten Sonderbericht, welcher bald folgt.
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El huevo de Colombos - ¡Se queman los viejos!  (Ecuador, 11.12.2007 bis 24.01.2008)
Das Ei des Kolumbus - Sie verbrennen die Alten!

Quito war, nachdem wir uns lange genug im Amazonasgebiet an die Hitze assimiliert hatten, recht kühl und zudem regnete es auch sehr viel. Die Lust auf große Unternehmungen hielt sich damit in Grenzen. Ein paar Ausflüge hatten wir dann aber doch unternommen. Zum einen in die historische Altstadt mit ihren vielen kolonialen Gebäuden und ihren reich geschmückten Kirchen
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La Compañía, Jesuitenkirche in Quito

(die Altstadt steht übrigens auch unter Unesco Schutz und zählt somit zum den kulturellen Weltkulturerbe) und als weiteres, mit unseren koreanischen Freunden in Quito; Herrn Tschang und Herrn Tsu, zum Äquatordenkmal und -museum. Es ist schon witzig, viele Touristen besuchen das Äquatordenkmal und wähnen sich am Mittelpunkt der Erde. Doch leider hatten sich seinerzeit, bei der Errichtung des Denkmales die Erbauer etwas vertan, denn der eigentliche Äquator ist nicht dort wo das Denkmal steht. Dieser nämlich befindet sich etwa 200 Meter weiter nördlich, wo es ein eigenes kleines Denkmal samt eines umgebenden Museum gibt. Zwei hundert Meter mögen nicht so viel sein und für die damalige Zeit, bei der Errichtung des Denkmales, waren wohl die Messmethoden auch noch nicht so genau wie heute, doch für das „Erlebnis" Äquator sind diese 200 Meter essential. Einige Dinge, so z.B. das im Norden beim Ablaufen des Wasser aus einem Becken sich ein Strudel linksdrehend und im Süden das Gleiche nur entgegengesetzt, also rechtsdrehend sich bildet. Das man das Ganze aber direkt am Äquator mit nur etwa einem Meter Versatz nachprüfen kann und das tatsächlich auf der Äquatorlinie sich kein Strudel bildet, sind schon eindrucksvolle Dinge. Dabei bleibt es aber nicht, denn z.B. kann man mit einem anderem Experiment das „Ei des Kolumbus" selbst nachvollziehen. Dieses kann man nämlich hier senkrecht aufstellen und stehen lassen, ohne das es umkippt. Noch ein weiteres Experiment ist, dass die eigenen Kräfte auf der Äquatorlinie nicht die gleichen sind, wie davon entfernt. Zuerst hatten wir neben der Äquatorlinie ausprobiert, welche Kraft von einer dritten Person aufgewendet werden muss, um die mit Gegenkraft ausgestreckten Armen herunter zu beugen und dann das Gleiche nochmals auf der Äquatorlinie. Phänomenal, man hatte spürbar weniger Kraft auf der Äquatorlinie bzw. die dritte Person konnte mit weniger Kraftaufwand hier die Arme herunter beugen.
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Auf der "richtigen" Äquatorlinie (v.l.n.r. Hr. Tschang, Hr. Tsu, Ich (hinten), Mun Suk)

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Mun Suk hat das Ei des Kolumbus bezwungen


Eigentlich wollten wir dann doch schon irgendwann mal wieder mit den Rädern losfahren, doch da nun ein wenig der Zeitdruck wegen der Visumsverlängerung weg war, sagten wir uns, das wir zuvor noch ein paar Tage in Baños relaxen wollten. So machten wir auf der Fahrt nach Puyo erst einmal einen Zwischenstopp in Baños. Wir quartierten uns wieder im Hotel Chimenea ein und verbrachten Weihnachten hier. Am 26.12.2007 fuhren wir dann, mit der Absicht Sylvester hier zu verbringen und dann los zu fahren, nach Puyo. Von hier aus unternahm ich, Mun Suk hatte nicht mehr so große Lust darauf und blieb diesen Tag zu Hause, dann noch mal einen Abstecher in den Urwald. Ivan, ein Shuar Indianer welcher Nachtportier in unserem Hotel in Puyo ist, hat mich und noch einen anderen Gast aus dem Hotel (John) dazu eingeladen seine Familie und den angrenzenden Regenwald einen Besuch abzustatten. Ca. 1 Stunde mit dem Bus entfernt von Puyo sind wir gehen Süden gefahren. In einer kleinen Siedlung, am Rande der Urwaldpiste, leben die Eltern von Ivan. Sie haben zuerst einmal zu einer Chicha eingeladen, doch versicherten sie uns, das hier die Chicha nicht vorher gekaut wird, sondern durch den Zusatz einer anderen Pflanze zum fermentieren gebracht wird. Danach haben wir dann, mit Ivans Bruder zusammen, einen vierstündigen „Gewaltmarsch" durch den Urwald unternommen. Zuerst ging ich davon aus, dass dieser Ausflug wohl eher etwas „gemütlich" sein wird, denn ich dachte, dass nahe der Strasse bestimmt große Teile des Urwaldes abgeholzt sein würden, doch bereits nach 20 Minuten des Gehens durch Yuccafelder begann der Regenwald.

Zwar wurden aus diesem Wald bereits schon viele edle Hölzer heraus geholt, doch waren keine Einschlagschneisen oder sonstige Rodungen erkennbar. Unser Weg, mehr ein kleiner unbefestigter Pfad, bahnte sich quer durch den Wald und oft ging es auf feuchten und rutschigen Untergrund steil bergauf und bergab.
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Frisches Bambuswasser, Im Urwald von Ecuador

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Eine kleine Schlange versperrte uns den Weg

Auch mussten Bäche und Flüsse gequert werden, über welche es keine Brücken gab. Ziemlich abgekämpft und total verdreckt kamen wir so am Abend zurück nach Puyo. Es war zwar schön, hier in Puyo, wieder Kontakt mit Freunden aufzunehmen und so backten wir auch fleißig mit Frau Pilar de Montafur Yuccabrötchen, doch sehnten wir uns nach dem ruhigen und weniger regenreichen Baños zurück, so dass wir kurzerhand beschlossen, nochmals dorthin zu fahren, um Sylvester dort zu feiern. Tagsüber waren die Leute schon aktiv und verkleideten sich fleißig, um so z.B. ein wenig an „Taschengeld" zu kommen. Am Abend dann, um Punkt 24:00 Uhr wurden dann die „Alten" verbrannt. Nein, keine Sorge, es handelte sich dabei nicht die Großeltern oder sonstige alten Leute, nein, mit den „Alten" werden hier speziell dafür hergestellte Puppen gemeint, welche verbrannt werden. Symbolisch stehen diese für die alten Sorgen, die damit wohl auch verbrannt werden sollen, so dass man im Neuen Jahr sorgenfreier zurecht kommt und mehr Glück haben soll. Raketen und Böller, welche in Deutschland wohl wieder millionenfach verballert wurden, gab es hier kaum. Ein paar Raketen wurden schon gezündet, doch ansonsten verlief der Übergang ins Neue Jahr eher ruhig, mit etwas Musik und zusammen mit Familie und/oder Freunden.

Nach einer weiteren Woche in Baños ging es dann aber am 07.01.2008 endgültig zurück nach Puyo und am 09.01. sattelten wir dann endlich wieder auf. Schon wieder war es über einem Monat, welchen wir nicht mit dem Rad unterwegs waren, so dass nicht mehr viel von unserer antrainierten Muskulatur übrig war. Gut, zum Glück waren wir nicht in den Bergen und die ersten Meter verliefen auch sehr angenehm zum Fahren. Dann, nach etwa 5 km war zuerst der Asphalt zu Ende und es ging weiter auf einer Pistenstrasse. Aber auch das war noch gut zu handhaben, doch dann, nach weiteren 15 km, galt es einen kleinen Pass, auf einer ziemlich rauen und mit groben Steinen übersäten Piste, steil bergauf zu erklimmen. Noch besser war, dass die anschließende Abfahrt die härteste Arbeit darstellte, den der Untergrund war so schlecht, dass überhaupt nicht daran zu denken war, schneller als mit 10 bis 15 km/h zu fahren. So rollte ich zwar bergab, doch die Bremsen fingen schon an zu glühen, so dass ich immer wieder einmal eine Abkühlpause einlegen musste. Mun Suk, der die Strecke zu unsicher war, lehnte es sogar ab diesen Part zu fahren und bevorzugte es, ihr Rad bergab zu schieben. Zum Glück erreichten wir nach ca. 45 km am späten Nachmittag ein kleines Nest namens Santa Clara, wo wir für die Nacht in einem sehr einfachen Hostal Unterschlupf fanden. Der nächste Tag war dann glücklicherweise wieder sehr einfach zu fahren, denn ab Santa Clara bis Tena war die Strecke so gut wie flach und zudem wieder größtenteils asphaltiert.
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Eric am arbeiten (Das Radlager hatte sich gelöst und musste wieder ordentlich eingebaut werden)


Da sich das Wetter zusehends verschlechterte, der weitere Streckenverlauf größtenteils Pistenstrasse war und zudem für etwa 150 km keine Herbergsmöglichkeit darbot, wurde kurzerhand ein Transport per Bus nach Pifo organisiert, einem Ort etwa 25 km vor Quito. Von hier aus führte eine parallele Strecke an Quito vorbei hinauf zur Panamericana. Sehr weit waren wir nicht mehr von der Kolumbianischen Grenze entfernt, doch einige Gebirgspassagen galt es noch bis dorthin zu meistern. Auf unsere Karte waren zwar keine Pässe vermerkt, doch entweder waren diese einfach vergessen worden oder man schenkte ihnen dort, weil sie wohl nicht über 4000 Meter Höhe liegen, keine Beachtung innerhalb der Kartografie. Zwischen Pifo und Cayambe ging es schon ein paar Mal immer wieder gut hinauf und hinab, doch nach Cayambe stand die Bezwingung eines steilen Passes an, um danach anschließend gleich wieder alle gewonnene Höhe in einer rasanten Abfahrt, hinunter nach Otavalo, zunichte zu machen. Die Auffahrt hatten wir noch trocken hinter uns gebracht, doch oben auf dem Pass sahen wir dann, das von unten her, aus Richtung Otavalo kommend, alles duster war und schon auf der Passhöhe setze dann auch der Regen ein. Eingehüllt in unsere flatternden Regenponchos fuhren wir so rasant den Pass hinab, gepeitscht vom Regen. Mit durchweichten Schuhen und triefenden Hosen erreichten wir Otavalo, den bekanntesten Ort in Ecuador bzw. ganz Südamerika für indianische Handwerkskunst, insbesondere Textilen und Hüte.

Das Wetter blieb regnerisch, ab und zu klärte es aber auch mal auf und ein paar Sonnenstrahlen ließen sich blicken. Wir unternahmen eine kleine Wanderung, über einen Hügel, zum nahegelegen See San Pablo. Petrus hatten an diesem Tage ein Einsehen mit uns und lies uns trocken wieder nach Otavalo zurückkehren. Nach vier Nächten kehrten wir wieder zurück auf die Panamericana und weiter ging es nach Ibarra. Nach Ibarra, so ging ich davon aus, sollte es erst einmal lange bergauf gehen. So zumindest hatte man es uns zuvor in Otavalo mitgeteilt. Doch der Aufstieg hielt sich in Grenzen, wohl um die 5 km und danach ging es stundenlang, so kam es fast vor, steil bergab. Ich weis nicht wie viel Höhenmeter wir zunichte gemacht haben, doch es mögen gut zwischen 700 und 800 gewesen sein. Wir landeten tief unten im Chota Tal und nachdem die rasante Abfahrt zu Ende war und der Fahrtwind nachließ, setzte die Hitze ein. Es war ein trockenes Tal und wir kamen uns wie in einem Backofen vor. Wir wollten den Ort El Juncal an diesen Tag erreichen und als wir in einem kleinen Nest ankamen, wo es ein paar Hostals gab, dachten wir zuerst das wir ihn erreicht hätten. Wir quartierten uns ein, doch als wir am nächsten Tag weiterfuhren stellten wir fest, das uns noch 5 km gefehlt hatten. War aber auch kein Beinbruch, wir hatten ja eine Übernachtungsmöglichkeit gehabt und somit war halt nur die nächste Tagesetappe dadurch „etwas" länger. Die Länge der Tagesetappe war aber diesmal gar nicht so sehr das Problem sondern mal wieder ein enormer Anstieg, der überhaupt nicht aufhören wollte. Das ist halt die Rache, wenn man zuvor viele Höhenmeter zunichte gemacht hat und man sich aber immer noch im Gebirge aufhält. Unterwegs, auf etwa einem Drittel des Anstiegs, trafen wir einen schwedischen Radfahren, der uns entgegenkam. Wir waren für ihn die ersten Reiseradler welche er traf, seitdem er vor einem Monat aus Caracas, Venezuela gestartet ist. Wir hatten gehofft das er uns positive Nachrichten, was den weiteren Streckenverlauf angeht, übermitteln konnte, doch leider war die Botschaft: Berge, Berge, Berge und das der Aufstieg hier noch ein sehr gutes Stück weiter geht.
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Im Norden von Ecuador


Mit letzter Kraft erreichten wir, kurz vor einsetzen der Dämmerung, den Ort San Gabriel. Für die schöne Landschaft rings herum, hatten wir an diesem Tage kaum noch ein Auge. Wir wollten nur noch ein ordentliches Hotel finden und warm duschen. Zum Glück mussten wir nicht lange suchen und das Gewünschte wurde Wirklichkeit. Den nächsten Tag gönnten wir uns zum ausruhen und Wäsche waschen. Die letzten Meter von Ecuador standen bevor, doch auch diese wollten uns zuerst noch mal ordentlich ins schwitzen bringen. Ein nicht allzu hoher namenloser Pass wollte erklommen werden und danach ging es tief hinunter bis nach Tulcan, der letzten größeren ecuadorianischen Stadt vor der Grenze. Am 24.1.2008 überquerten wir die Brücke Rumichaca und standen vor der Kolumbianischen Grenze. 90 Minuten hat es gut gedauert, bis der Ausreisestempel seitens Ecuadors und der Einreisestempel von Kolumbien im Pass war. In Kolumbien wartete sodann auch gleich ein kleiner, aber durchaus heftiger Anstieg.
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Reportaje exclusivo - Los Sáparas
Exklusivbericht - Die Sáparas

Vorgeschichte:
Als wir im Frühjahr 2007 in Südkorea zu Besuch waren, besuchten wir im Juni das Danoje Festival in Gangneung. Wir kamen dabei in Kontakt mit den Organisatoren dieses Festes. Von ihnen erfuhren wir, dass das Danoje Festival unter dem Schutz der Unesco steht und dort im Rahmen des immateriellen Weltkulturerbes gelistet ist. Da wir bereits zwei Dia-Vorführungen in der Stadt durchgeführt hatten, war den Organisatoren bekannt, dass wir in Südamerika mit dem Fahrrad unterwegs sind. Nun fragten sie uns, ob wir nicht für sie über andere orale oder immaterielle Weltkulturerben, welche sich in Südamerika befinden, berichten könnten. Uns reiste diese Aufgabe sehr, doch wir mussten die Erwartungen der Organisation etwas dämpfen, da wir nur die Orte noch besuchen können, welche sich in der Nähe unserer weiteren Rute befinden. So letztendlich sind wir zu den Sápara Indianern im Ecuadorianischen Urwald gekommen.

Zuerst war es wirklich gar nicht so einfach, über diesen Indianerstamm etwas in Erfahrung zu bringen, da die Informationen hierzu, welche das WWW wiedergibt, äußerst dürftig und alt gewesen sind. Auch wussten wir gar nicht, ob es überhaupt erlaubt war, diesen Indianerstamm zu besuchen. Wir versuchten daher, als wir wieder in Südamerika zurück waren, von Peru aus über zwei Emailadressen, die wir im Internet auffinden konnten, Kontakt aufzunehmen. Mehrere male sendeten wir eine Nachricht, doch jedes Mal kam diese mit dem Vermerk: „Email-Adresse unbekannt" zurück. Fast schon hegten wir keine Hoffnung mehr, das ein Kontakt zustande kommen könnte, doch als wir in Ecuador ankamen besuchten wir das Tourismus Ministerium in Loja und ein sehr hilfreicher Mitarbeiter dort, gab uns die Adresse samt Telefonnummer von der Nazae Organisation in Puyo. Diese Organisation ist die offizielle Vertretung der Sápara Indianer. Puyo lag noch weit entfernt von unserer Route, doch als wir in Guayaquil ankamen und dort abschätzen konnten, wann wir in etwa in Puyo ankommen können, riefen wir die Nazae Organisation an.
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Oscar mit Frau, beide Sáparas. Oscar war unser Ansprechpartner in Puyo

Eigentlich erwarteten wir, das man unserem Anliegen kaum Beachtung schenken würde, waren und sind wir doch in erster Hinsicht „nur" Touristen und keine Ethnologen oder sonstig geartete Wissenschaftler. Doch wieder Erwartens war der Kontakt sehr einfach und schnell hergestellt und man teilte uns am Telefon mit, dass ein Besuch der Sápara Indianer vor Ort möglich ist. Mit dieser positiven Antwort radelten wir nun von Guayaquil aus los, zuerst noch an der Küste entlang und dann Land querfeldein hinüber nach Puyo. Am 27.11.2007 erreichten wir Puyo und am Folgetag besuchten wir gleich die Nazae Organisation. Erfreut stellten wir dort fest, das alle Leute, welche dort arbeiten, ebenfalls Sápara Indianer sind. So konnten wir neben der technischen Abwicklung, die Sáparagemeinden mussten über Funk informiert bzw. gefragt werden und auch ein Flug dorthin musste organisiert werden, bereits schon sehr viele Informationen in Puyo über diesen Indianerstamm erhalten.

Ihr fragt euch bestimmt, mit welchem Anliegen die Sápara Indianer in der oralen bzw. immateriellen Weltkulturerbeliste der Unesco aufgenommen wurden. Nun es ist die eigene Sprache der Sápara, welche unter dem Patronat der Unesco steht. Es ist nämlich so, das innerhalb der sowieso sehr kleinen Gruppe von Indianern der Sápara, es gibt schätzungsweise nur etwa 200 von ihnen, nur noch 4 ältere Leute, die die Sprache der Sápara beherrschen. Innerhalb der letzten 100 Jahre nämlich war der sprachliche Einfluss der Kichwa Indianer (es sind eigentlich, wie in Peru oder Bolivien, Quechua sprechenden Hochlandindianer, doch im Amazonasgebiet von Ecuador nennen diese sich Kichwa) so stark, dass die Sáparas heute nur noch ausschließlich Kichwa untereinander reden. Die Sprache war also so gut wie schon ausgestorben, aber nun, Dank der Unesco Unterstützung, werden die Sáparakinder zusätzlich zu der Kichwa Sprache auch in Sápara unterrichtet.

Nachdem wir also die technischen Angelegenheiten alle geregelt hatten und einen Flug für den 02.12. reserviert hatten, machten wir uns in den verbleibenden zwei Tagen auf den Weg, dort bei den Indianern dringend benötigte Dinge, wie z. B.: Schulhefte, Bleistifte, Farbstifte für die Schulkinder sowie Reis, Salz und Waschseife für die Familien als auch ein paar einfache Medikamente Wurm- und Amöbenmittel oder entzündungshemmende Salben einzukaufen. Am 02.12. dann fuhren wir zusammen mit unseren Guide Rosario raus nach Shell zum Flughafen und bestiegen, nach über 3 Stunden Wartezeit, das Wetter wollte uns nicht früher loslassen, eine kleine Viersitzer Chesna. Einen Mitbringsel Sack mussten wir aber zurück lassen, denn wir hatten zuviel Gewicht dabei. Das war aber auch kein Problem, denn bei der Abholung aus dem Urwald konnte dieser dann vom Piloten mitgebracht werden.
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Unser „Aibus" für unseren Flug zu den Sáparas nach Llanchama


Der Flug dauerte nur etwa 30 Minuten, doch bereits nach etwa 10 Minuten Flugzeit, hatte man nur noch Regenwald und ein paar Flüsse unter sich. Die Gedanken, was würde wohl passieren, wenn z.B. der Motor etwa ausfällt, verdrängte man so gut wie es ging. Landepisten oder -möglichkeiten gab es dort unten nämlich keine. Alles verlief aber glatt und nach 30 Minuten tauchte unser Ziel, Llanchamacocha auf und wir landeten gut durchgeschüttelt auf der Urwaldlandepiste. Unsere weitere Planung sah so aus, das wir noch zwei weitere Indianergemeinden der Sápara flussabwärts besuchen wollten, doch nun waren wir erst einmal in Llanchamacocha und alle aus dem Dorf, welche zur Landepiste geeilt waren (nun gut, sehr zu beeilen brauchten sie sich auch nicht, denn die Piste liegt mitten in der Siedlung) schauten uns neugierig an. Der erste Kontakt war so sehr zurückhaltend aber durchaus freundlich. Es gab dann auch anschließend gleich eine kleine Dorfversammlung, wo wir uns vorstellen durften und unser Anliegen vortragen konnten. Danach spielten wir Nikolaus und machten unsere mitgebrachten Säcke auf und verteilten die Mitbringsel an die Kinder und Familien. Ach ja, bevor wir unser Anliegen vorgetragen hatten gab es erst einmal für alle das Standard Getränk Chicha. Auch wir wurden dazu eingeladen und nahmen ein paar kräftige Züge davon. Chicha gibt es zwar fast überall in den Andenregionen, doch hier wird es aus Yuka hergestellt, auf traditionelle Art und Weise, soll heißen: zuerst wird die Yuka gekocht, anschließend gestampft und dann von den Frauen kräftig durchgekaut und eingespeichelt um danach in einen Topf gespuckt zu werden, wo dann das Ganze etwa 3 bis 5 Tage vor sich her gären kann. Klingt sehr appetitlich, nicht?
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Reine Frauensache, Sápara Frauen bei der „mundgerechten" Zubereitung von Chicha

Wundersamer Weise hat uns die Chicha als auch das Essen hier keinerlei Probleme, mit der Verdauung (mit der hygienischen Anschauung schon) bereitet. Nachdem dann das Chicha trinken vorbei war, wir unser Anliegen erklärt und die Sachen verteilt hatten gingen wir zu unserem Quartier, welches wir in der hiesigen Schule hatten. Es waren nämlich gerade Ferien und so stand das Schulgebäude leer. So spannten wir dort unser Moskitonetz auf und legten unsere Isomatten aus.


Kurz nach 19:00 Uhr ist es dann ruck zuck dunkel geworden. Rosario, unsere Führerin, holte uns ab zur Hütte ihrer Mutter, Luisa Santi, um noch etwas zu Abend zu essen. Es gab gekochte Yuka und Banane sowie etwas Wildtierfleisch dazu. Kein Auto- oder Stadtgeräusch trübte die Nacht, lediglich die Grillen, Frösche und andere Wildtiere waren zu hören. So schliefen wir bei dieser Melodie schnell ein. Das Leben am nächsten Morgen ging schon recht früh zugange. Um 05:00 Uhr standen die Ersten auf und auch die Hähne schlugen schon ab etwa 04:00 Uhr laut an und krähten um die Wette. Etwas gerädert, zum einen von den frühen Aktivitäten außerhalb der Bewohner oder noch mehr des Getiers und zum anderen, da wir seit langen schon nicht mehr auf unseren dünnen Isomatten genächtigt hatten, standen wir dann um 07:00 Uhr auf und gingen zum Frühstücken. Wie am Abend zuvor gab es Kochbananen. Wir hatten bewusst darauf verzichtet eigenes Essen mitzunehmen, lediglich etwas Instantkaffee hatten wir mit dabei und so gab es für uns das Gleiche zu essen, was die Leute dort auch essen. Das bedeutete nun, 8 Tage Kochbananen und gekochte Yuka und ab und zu mal etwas Fleisch oder Fisch.

Für den Tag hatten wir uns vorgenommen, etwas über die Unterrichtung in der Sápara Sprache zu dokumentieren. So wurde am Nachmittag eine Scheinklasse aufgestellt, es waren ja Schulferien, die Lehrer als auch manche Schulkinder waren so nicht anwesend. Als dann schließlich ein paar Kinder im Klassenraum waren und Rosarios Mutter ihnen auf Sápara etwas erzählte, war das Ganze doch dann nicht so wie wir es uns gewünscht hätten, denn die Kinder interessierten sich viel mehr für uns und was wir denn mit der Videokamera so anstellten. Den nächsten Tag haben wir dann zusammen mit ein paar Leuten einen Ausflug zu ihren Chacras (Anbaufeldern), um zu sehen wir dort Yuka angebaut wird und geerntet wird. Danach ging es dann noch etwas in den Urwald hinein, denn wir wollten sehen, wo die Leute ihr Trinkwasser herhaben. Dieses fangen sie nämlich von einem Quellfluss direkt ab und leiten es per Kunststoffrohre an die Häuser weiter. Es war kein allzu weiter Marsch, doch mussten wir einen kleinen Fluss auf einem umgestürzten Baum überqueren und danach sehr steil, durch wildes Urwaldgelände nach oben laufen. Geregnet hatte es nicht, doch all unsere Kleidung war von oben bis unten nass, durchgeschwitzt. Der Dschungel lässt grüßen.

Am 05.12.2007 ging es dann weiter, zum nächsten Urwaldsdorf, Jandiayacu. Der Weg dorthin, in einen Einbaum, dauerte aber alleine 2 Tage.
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Einbaum Kanu für unsere 2 Tagestour auf dem Conambo Fluss

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Vielfach versperrten umgestürzte Bäume ein Weiterkommen. Erst nachdem der Baum ein zweites Mal gefällt wurde konnten wir uns dann weitertreiben lassen auf dem Fluss


Vielfach war der Flusslauf versperrt durch umgestürzte Bäume, so dass manchmal die Baumstämme erst mit einer Axt durchgehackt werden mussten, bevor es weitergehen konnte. Ursprünglich war für diese Fahrt nur ein Tag angedacht, aber wie gesagt kamen wir nicht so weit und mussten an diesem Tag mitten im Urwald übernachten. Zum Glück hatten wir unser Zelt mit dabei, so dass wir von den lieben Plagegeister geschützt waren, doch dafür konnten wir in unserem eigen Sud schmoren, den es war zu Anfang noch recht schön feucht und schwülwarm. Am nächsten Tag ging es dann etwas zügiger voran, denn wir konnten z.T. den mitgeführten Außenbordmotor einsetzen. Tags zuvor ging es nur per Strömung flussabwärts. Gegen Mittag erreichten wir dann Jandiayacu. Hier wurde wie zuvor das Gleiche Ritual durchgeführt. Dorfzusammenkunft, Chicha trinken unser Anliegen vortragen und die Mitbringsel verteilen. Beim Chicha trinken hielten wir uns aber mittlerweile zurück. Irgendwie war die Vorstellung über die Zubereitung und die Darreichung der Chicha, die Frau, welche das Getränk übergibt, stochert mit ihren Fingern im Getränk umher und fischt die groben Anteile der Yuka heraus, uns dann doch etwas zuviel des Guten. Das wir nicht Chicha tranken war aber auch kein Problem für die Leute, sie akzeptierten es einfach ohne irgendwelches aufheben darum zu machen. Viel weiteres, was die Unterrichtung in der Sáparasprache anbelangt konnten wir dort nicht unternehmen, doch wir machten nochmals einen Ausflug mit zwei jungen Männern in den Urwald hinein, zum jagen mit dem Blasrohr.
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Auf der Jagd mit dem Blasrohr


Zwar jagen die Sápara heutzutage auch eher mit dem Gewehr, doch haben die meisten Männer auch immer noch ein Blasrohr bereit, mit den dazugehörigen in Curare getauchten Giftpfeilen. Wir glaubten erst nicht, das wir überhaupt etwas fangen bzw. schießen würden, doch die Männer sind unglaublich geschickt und zielfertig, so dass sie nach etwas Zeit der ersten Abschuss hatten. Es war ein kleiner Vogel, welcher von einem Pfeil, welcher nicht mit Curare behandelt, durchbohrt worden ist. Der kleine Piepmatz war aber nicht tot, da der Pfeil wohl keine lebenswichtigen Organe verletzt hatte. Uns tat er jedoch so leid, das wir die beiden baten ihn wieder frei zu lassen. Der Piepmatz lies sich das nicht zweimal sagen und machte sich schnell aus dem Staub und flog davon. Hoffentlich hat er es gut überstanden. Dem zweiten Abschuss ging es dagegen nicht so gut. Wieder war es ein kleiner Vogel, doch dieser segnete zeitige sofort nach dem Abschuss. Unsere Frage was sie denn mit so einem kleinen Vogel anstellen wollten, belustigte unsere Führer. Natürlich essen sagten sie, was denn sonst. Keine Ahnung was die da essen wollen, mehr als 5 Gramm Fleisch dürfte wohl nicht an so einem Piepmatz stecken. Wir begnügten uns am Abend lieber mit gekochter Yuka und Banane.

Von Jandiayacu ging es dann am 08.12.2007 mit dem Einbaum wieder weiter zum nächsten Dorf, Masaramu. Diesmal aber dauerte die Fahrt nur eine halbe Stunde, denn das Dorf war nicht sehr weit entfernt, es gab keine Baumstämme, welche die Weiterfahrt blockierten und zudem ging es größtenteils per Außenbordmotor voran. Auch waren hier noch ein paar Leute der Nazae Organisation vor Ort, sie hatten bereits in Jandiayacu eine Versammlung durchgeführt und warteten nun in Masaramu auf ihren Rückflug. Auf Grund des schlechten Wetters jedoch war für sie vorerst kein Weiterkommen möglich. So saßen wir mit ihnen zusammen und konnten ein klein wenig über die Sápara Angelegenheiten plaudern sowie unsere Erfahrungen, welche wir auf unserer Tour bisher bei den Sáparas gemacht hatten, mitteilen. Wir aßen am Mittag zusammen und diesmal gab es was wirklich Leckeres zu essen, gegrillter bzw. geräucherter Kaiman.
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Geräucherter Kaiman und ein anderes unidentifiziertes Wildtier auf dem Grill

Wirklich ein sehr leckeres Fleisch, welches zudem dazu noch gesund sein soll. Angeblich soll man keine Erkältung bekommen, wenn man dieses Fleisch ist. Das Abendessen war dann auch noch mal interessant, jetzt gab es Fleisch von einem anderen Wildtier. Keine Ahnung was für eins es diesmal war, doch auch dieses war unwahrscheinlich lecker. Die Gruppe aber aus Puyo hatte uns schon zuvor verlassen gehabt, denn das Wetter hatte aufgeklart und ein Flugzeug aus Puyo kam vorbei, um sie abzuholen.

Den nächsten Tag unternahmen wir dann noch mal einen Anlauf, um etwas mehr vom Urwald zu sehen. Wir wollten zu einer kleinen Laguna gehen, doch hätten wir gewusst, welche Strapazen das bedeutet, bestimmt hätten wir dann eine andere Unternehmung für uns gesucht. So gingen wir mit einem Jungen und einer 64 Jahre alten Frau in den Wald hinein. Zuerst mussten wir aber per Einbaum auf die andere Seite des Flusses überwechseln und dann anschließend noch auf einem etwas rutschigen Baumstamm, über einen anderen Fluss überwechseln. Danach ging es steil einen längeren und sehr rutschigen Hügel bergauf. Ich versuchte so gut wie ging mit der Machete den Weg frei zu schlagen, denn leider war, wenn einer vorhanden war, dieser nicht auf meine Köpermaße abgestimmt. Das wir bereits nach ein paar Metern wieder klatschnass waren, brauche ich glaube nicht besonders zu erwähnen. Es ging auch nicht nur einen Hügel nach oben, nein zweiter wartete auch noch auf uns. Ziemlich ausgelaugt erreichten wir so nach etwa 1 ½ Stunden eine kleine Laguna, doch leider war diese nicht so praktisch angelegt, wie man das sonst von Lagunen her gewöhnt ist. Es gab keinen Uferbereich bzw. freigelegten Aussichtspunkt und wir konnten uns dem Wasser nur auf einem umgestürzten Baumstamm her nähern.
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Olympia, eine 64 jährige Sáparanerin beim palmherzenschälen. Ihr schien der feuchtheise Urwald überhaupt nichts auszumachen.

Nach 5 Metern war mir das Ganze dann aber doch etwas zu heikel, hatte ich doch meine gute Kamera mit dabei und wollte mit ihr an diesem Tag nicht unbedingt baden gehen. So überließen wir das Angelglück allein unserem jungen Führer, doch das Glück war ihm an diesem Tage nicht hold und so zogen wir, nach etwa 20 Minuten wieder ab und machten uns auf den Rückweg. Zuvor hatte unser junger Führer bereits mehrere Bäume und Palmen begutachtet und als wir an einer ca.15 Meter hohen Palme vorbeikamen, machte sich dieser daran diese zu fällen. Wir machten derweil in sicherer Entfernung halt, denn wir wollten nicht von der umstürzenden Palme erschlagen werden. Nach etwa 15 Minuten gab die Palme nach und kippte krachend um. Dann kam der Junge mit einem Teil des oberen Palmenstammes uns entgegen. Im Kern des mitgebrachten Palmenstammes befand sich das sogenannte Palmenherz, welches wir denn alle gleich vor Ort verspeisten. Schon wieder etwas Leckeres. Das dem Jungen der Marsch in den Urwald nichts ausmachte war uns schon klar, dass aber dazu auch die 64 Jahre alte Frau keine Anzeichen von Erschöpfung zeigte und auch ihre Kleider noch total trocken waren, war uns Stadtmenschen schon etwas peinlich. Na ja, wir sind halt nicht für den Urwald gemacht bzw. nicht darin oder damit aufgewachsen. Beim übersetzen über den Fluss wurde es dann aber nochmals etwas lustig, den ich kippte fast beim Ausstieg aus dem Kanu um und landete so etwas zu früh, so dass ich mit halbem Körper noch im Wasser und Ufermatsch steckte. Mun Suk wollte mir denn zugleich zu Hilfe eilen, was aber nur dazu führte, das auch sie ausrutschte und bis zu den Knien um Ufermatsch feststeckte. Es war ein gutes Stück Arbeit sich aus den Fängen des Uferschlamms zu befreien und zu allem Überfluss sahen wir danach dann natürlich auch dementsprechend aus. Aber was soll's, in Puyo wartete ja eine Wäscherei auf uns und unsere total versaute und stinkende Kleidung.

Am 08.12., das Flugzeug kam überpünktlich vorbei, nahmen wir Abschied von den Sápara Indianern. Der zuvor in Shell zurück gelassene Sack mit den Mitbringseln war zum Glück mit an Bord, so dass wir in schnell verteilen konnten und dann ging es wieder zurück in die Zivilisation.
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Noch ein letzter Schnappschuss vom Ecuadorianischem Urwald

Zum einen waren wir froh, in unserer altgewohnten Lebensumgebung wieder zurück zu sein, doch gleichzeitig schwang auch etwas Wehmut mit dabei, denn die Sáparas sind uns mit der Zeit doch gut ans Herz gewachsen. Es ist ein sehr friedlich lebendes, von der Grundüberzeugung her fröhlich und lustiges Volk. Auch wenn es nur noch wenige von Ihnen gibt, so halten sie doch zusammen und versuchen nun, ihre Kultur zu retten und in die für sie neue Zeit mit hinein zu nehmen. Klar, auch den Sáparas ist unsere Art von Welt nicht unbekannt und viele Dinge wecken bei Ihnen Sehnsüchte. Doch ich glaube und hoffe für sie, dass sie sich ihre Kultur weitgehendst behalten werden.

Am 13.12.2007 sind wir dann mit dem Bus nach Quito gefahren. Zum einem, um unser Touristenvisum aufzufrischen und zum anderen, um dem hiesigen Unesco Büro einen Besuch abzustatten. Das mit dem Visum hat wieder Erwartens reibungslos funktioniert und auch einen Besuch im Unesco Büro konnten wir dann auch ein paar Tage später durchführen. Maria Gloria Amoroza, von der Unesco in Quito, hatte sich für uns Zeit genommen und uns mit weiterem Informationsmaterial über die Sáparas gut versorgt.


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