Hello Mr. Gringo (Hallo Herr Gringo)

Der Wiedereinstieg nach meinem Unfall in Cochabamba in die Fahrrad-Welt-Reise Tour ist geschafft. Über 450 km haben wir dabei bereits wieder erradelt und gleich noch einen Pass mit über 4300 m Höhe dabei bezwungen. Nachdem endlich die erwarteten Ersatzteile aus Deutschland für mein Rad in Cochabamba, Bolivien ankamen, hatte ich schnell alles zusammengebaut, bin ein paar Meter damit Probe gefahren und anschließend haben wir all unsere Sachen zum Busbahnhof transportiert und sind mit dem Bus nach La Paz gefahren. In La Paz hatten wir noch eine Nacht Zwischenstop, da es keine Direktverbindung von Cochabamba aus nach Peru gab. Am nächsten Tag ging es dann aber weiter, zuerst nach Copacabana (Bolivien) und anschließend noch ein kurzes Stück bis nach Puno (Peru). Diese Busfahrten hatten wir aber nicht gemacht, weil wir so gerne Bus in Bolivien gefahren sind. Nein, unser Tourivisum war leider wegen der langen Wartezeit auf die Ersatzteile mittlerweile bereits ein paar Tage abgelaufen und illegal sich in einem fremden Land aufzuhalten war nicht gerade eine angenehme Ausgangssituation, zumindest für uns. Zudem sind Busfahrten, mit der Art und Umfang von Gepäck was wir dabei haben, bestimmt kein Vergnügen. Ich ahnte bereits vor Antritt dieses Reiseabschnittes, dass es Komplikationen gäben könnte und so war es dann auch. Bis La Paz hatte alles noch ganz gut geklappt. In La Paz gab es dann beim Einladen unserer Sachen schon die ersten Diskussionen wegen der vielen Sachen (Übergewichtszuschlages). Als wir dann zur Zwischenstation in Copacabana ankamen, es wurde der Bus gewechselt, welcher bis nach Puno weiterfahren sollte, ließ man uns einfach stehen und wollte ohne uns abfahren. Nach mehrmaligen Nachfragen verwies man uns dann an einem Bus, doch der Busfahrer wollte uns partout nicht mitnehmen. Ein Verweis auf unser Busticket und die beim Ticketkauf ausgemachten Konditionen (von uns sollte laut Ticketverkäufer in La Paz nur einmal ein Zuschlag für das Übergewicht bzw. die Räder für den gesamten Transport bezahlt werden), interessierten den Busfahrer reichlich wenig. Das ganze wurde fast handgreiflich, da ich den Bus am Abfahren hindern wollte, indem ich die Ladeluke offen hielt. Es nach mehreren Wortgefechten bequemte sich ein Gehilfe, welcher zuvor auf dem anderen Bus aus La Paz mit dabei war, uns zu einem anderen Bus zu bringen, welcher uns dann letztendlich in letzter Minute vor Abfahrt noch mitgenommen hat. Leicht gestresst erreichten wir so die Grenze und die Grenzformalitäten, samt Visumsüberziehungsstrafe, waren dann aber zum Glück eine Sache von Minuten. Ein neues Land auf unserer Tour war erreicht und es fehlten nur noch ein paar Kilometer, bis wir in Puno ankamen. Nachdem alles vom Bus ab- und ausgeladen war, montierten wir schnell alles wieder zusammen und die ersten erneuten Meter per Rad konnten so in Puno zurückgelegt werden.
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Die Plaza mit Kathedrale in Puno

Puno liegt direkt am Titicacasee und ist bekannt wegen der Uros, welche auf schwimmenden Schilfinseln vor der Stadt leben. Nach einem weiteren Tag des Einlebens haben wir uns dann auch auf den Weg dorthin, zu den schwimmenden Inseln gemacht, aber es war fast genau wie in unserem Reiseführer beschrieben wird, ein Peep Show. Fein hergerichtet, Insel neben Insel, wartet man, in speziell für den Reisenden arrangierten Inseln und Hütten, auf den Touristen. Boote über Boote voll mit Touristen (klar, auch mit uns) legen Tag für Tag von Puno ab, um zu den Uros zu gelangen. Das diese eigentlich keine richtigen Uros mehr sind, ursprünglich war es eine eigene Völkergruppe, die jedoch durch die Einwanderung (eigentlich müsste man hier sagen: Einschiffung) von Quechuaindianern unterwandert worden sind und der letzte reinrassige Uro soll angeblich 1953 gestorben sein. Nun gut, es war trotzdem sehr interessant und auf einer schwimmenden Insel zu laufen, ist schon ein besonderes Erlebnis. Nach den Uros ging es dann mit dem Boot noch weit hinaus auf den Titicacasee, zu der Insel Taquile. Zum Glück fuhren nicht alle Boote, die zuvor zu den Uros gefahren waren, auf die Insel und durch die Größe der Insel verloren sich zudem die restlichen Touristenströme. Taquile war sehr angenehm und fast ursprünglich zu erleben. Es ist interessant wie die Leute hier leben, man kann wohl sagen wie seit ehedem. Auf der Insel gibt es weder Polizei noch sonst irgendwelche stattliche Institutionen. Alles wird von den Leuten vor Ort, es wohnen ca. 2000 Personen auf der Insel, selbst geregelt und das zudem öffentlich. Jeden Sonntag werden vor der Kirche auf dem Dorfplatz Versammlungen abgehalten und wenn es irgendwelche Probleme oder Streitigkeiten gibt, sei es mit dem Nachbarn oder innerhalb der Familie, dann wird dies an diesem Tage öffentlich ausgetragen und debattiert. Und sollte es zu einem sträflichen Vorfall gekommen sein, so wird von dem von der Gemeinschaft gewählten Vorsteher (wohl ähnlich wie ein Bürgermeister) das Strafrecht ausgeübt, indem er dem Delinquenten Schläge mit einem Ledergurt erteilt. Das natürlich dann auch öffentlich auf dem Dorfplatz. Von Unruhe oder sonstigen Streitigkeiten war aber bei unserem Besuch weit und breit nichts zu sehen. Vielmehr machten die Leute auf uns einen sehr gelassenen und ausgeglichenen Eindruck. Die Rückfahrt nach Puno mit dem Boot dauerte 3 Stunden, bei etwas wildem Seegang und z.T. heftigen Sonnenschein, welcher mir gut das Gesicht verbrannte.
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Die schwimmenden Inseln der Uros

Wieder richtig los, per Rad, ging es dann am 28.10.2006 und die ersten Meter forderten dann auch gleich mal vollen Einsatz von uns. Aus der Stadt heraus ging es sofort steil bergauf. Ein kleiner Pass, mit ca. 400 bis 500 Höhenmetern, musste regelrecht bezwungen werden. Es wurde eine gute Quälerei, denn nicht nur das die Luft extrem dünn war, Puno liegt auf einer Höhe von 3800 m, nein, auch die vorbeifahren LKWs und Kleinbusse reicherten das bisschen Atemluft noch gut mit dicken schwarzen Rauchschwaden und Rußpartikeln an. Gut ausgelaugt nach diesem kurzen Aufstieg hielten wir oben an, erholten uns von dem Aufstieg und schauten und genossen ein wenig den Ausblick über die Stadt. Danach ging es zum Glück den Rest der Strecke bergab bzw. flach weiter bis Juliaca. Nach Juliaca, einen kleinen quirligen Ort, nahm der Verkehr auf der Strecke glücklicherweise ab und es wurde richtig angenehm über die Hochebene dahinzugleiten. Wettermäßig sind wir zwar leider, durch unsere verspätete Ausreise aus Bolivien, nunmehr gut in der Regenzeit unterwegs, doch bisher konnten wir immer, vor dem einsetzen des ersten Regenschauers am Nachmittag, unser Tagesziel erreichen. Nach Juliaca kamen wir in Pucara an. Fast wollte uns das Wetter nicht ans Ziel kommen lassen, denn etwa einen Kilometer zuvor setze ein orkanartiger Wind, natürlich Gegenwind, ein und die ersten Regentropfen fielen. Ein kleiner Hügel kurz vor dem Ort forderte daher vollen Einsatz von uns. Man muss sagen, dass der Hügel unter normalen Umständen keiner Erwähnung bedürfte, doch unter diesen Windbedingungen erforderte dieser bedeutungslose Anstieg volle Leistung. Für mich ist daher das Schwierigste beim Radfahren nicht der Berganstieg sondern vielmehr das Fahren bei „starkem" Gegenwind. Gegenwind wirkt sich zudem, bei mir zumindest, auch frustrierend aus, da dieser zum einen flache Passagen in Steilpassagen wandelt und sogar Abfahrten, zu einem kräftezehrenden Akt werden lassen kann.

Nach einem heftigen Gewitter in der Nacht war zum Glück am darauffolgenden Tag der Wind abgeflacht, so dass die Weiterfahrt nach Ayaviri problemlos verlief. Auf der Strecke haben wir auch noch zwei andere Radreisende, Javier und Leandro, aus Argentinien getroffen und für zwei Tage sind wir auf der weiteren Strecke zusammen geradelt. Wir machten dann in Santa Rosa, einem wirklich kleinem Nest, Zwischenstopp und die beiden fuhren weiter. Wir wollten an diesen Tag aber nicht so viel fahren, denn im nächsten Abschnitt galt es, einen Pass mit über 4300 m Höhe zu bewältigen. Voller Respekt vor der bevorstehen Tagesetappe und dem Pass, sind wir am darauffolgenden Tag extra früh aufgestanden, um 05:30 Uhr. Um 06:30 Uhr waren wir dann bereits auf der Piste (bestimmt ein neuer „Frühaufstehrekord" -  zumindest für uns), doch der erwartete anstrengende Aufstieg erwies sich als halb so schwer, da sich das Steigungsverhältnis gut im Zaum hielt. Oben am Pass angekommen gab es dann, neben dem Schild mit der Höhenangabe, auch gleich die üblichen Tourisouvenierstände, an welchen den auch gleich ein paar Busse, vollgestopft mit „Standardtouristen", anhielten.
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Der Pass ist geschafft

Also fuhren wir schnell weiter, bzw. rollten weiter, denn jetzt ging es ja gut den Berg runter. Bis Sicuani kamen wir so an diesem Tag, einer Tagesetappe von gut 70 km. Am nächsten Tag, besuchten wir kurz nach Sicuani den Ort Raqchi mit einer großen Inka Tempelanlage (Templo de Viracocha). Danach so hatte man uns zuvor versichert, sollte es bis Cusco angeblich nur noch bergab gehen. Doch es trat das ein, was zuvor auf der Reise schon so oft eingetreten ist. Diese angebliche Bergabstrecke entpuppte sich mehr als „up and down" (hoch und runter) Strecke, als Bergabstrecke. Zudem bzw. leider mal wieder, herrschte ein kräftiger Gegenwind vor und auch Petrus hatte an diesem Tage kein Einsehen mit uns, denn er schickte uns ein paar heftige Regengüsse entgegen. Auch fanden wir in den Orten zwischendrin auf der Strecke keine Herberge, so dass wir bis nach Urcos weiterfahren mussten. Das bedeutete für diesen Tag eine Strecke von ca. 100 km und zu allen Unglück kamen wir so in die Nacht hinein und kurz vor Urcos musste zudem noch ein ziemlich steiler Aufstieg bewältigt werden. Das die Strecke am nächsten Tag dann nur noch knapp 50 km sein würde, interessierte uns an diesem Tag reichlich wenig. Völlig ermattet ließen wir uns in die Betten fallen.

Nun gut, die restliche Strecke bis nach Cusco, mal abgesehen vor der nicht enden wollenden Stadteinfahrt, natürlich schön als bergauf, war denn auch nicht mehr ganz so schwer. Glücklicherweise fanden wir denn auch ziemlich schnell eine angemessene (preislich und platzmäßig) Unterkunft und die nächsten Tage nutzten wir, um das Herz des ehemaligen Inkareiches besser kennen zu lernen. Sieht man mal von den unzähligen Touristenströmen und den allgegenwärtig vorherrschenden Touristenkommerz ab, so ist diese Stadt schon wirklich beeindruckend. Schade nur, dass von der eigentlichen Inkakultur so gut wie nur Mauerreste und Fundamente, auf welchen die von den Spaniern errichteten Kirchen und Paläste stehen, übriggeblieben sind, doch auch diese Prunkbauten haben eine besondere Ausstrahlung. Außerhalb der Stadt gibt es aber zum Glück noch mehrere Inkabauten bzw. die Überreste davon zu bestaunen. Eigentlich wollten wir uns am 09.11. wieder auf Tour begeben, doch an diesem Tag war weit und breit nicht an eine Abfahrt zu denken, denn Mun Suk lag vollkommen flach. Am Abend zuvor muss sie wohl ein nicht so gutes Abendessen abbekommen haben, denn noch in der gleichen Nacht landete alles gleich wieder nach draußen. Auch muss wohl auch noch ein grippaler Infekt mit im Spiel gewesen sein, denn sie hatte an diesem Tag extrem hohes Fieber (40°C.) und erkältungsmäßige Begleiterscheinungen. Drei Tage lag Mun Suk so danieder und nur durch den Einsatz von Antibiotika kam sie wieder alsbald auf die Beine.
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Die Plaza von Cuzco

Nach fünf Tagen war Mun Suk dann aber kräftemäßig wieder soweit regeneriert, so dass wir wieder weiterfahren konnten. Aus der Stadt heraus musste sie zwar bis auf die Anhöhe von Sacsayhuaman schieben, denn es ging bis hierhin allersteilst bergauf, doch dafür ging es danach bis Pisac nur noch bergab, hinab in das Valle Sagrado (das heilige Tal der Inkas). Nach Tagen des Regens in Cusco schien nun endlich wieder die Sonne und das Fahren hinab und hinein in das Valle Sagrado gestaltete sich so zu einem Hochgenuss. In Pisac wollten wir dann regulär die Ruinenanlagen besuchen und hatten uns bereits zu dem beschwerlichen Aufstieg zu Fuß auf den Weg gemacht. Doch kurz nach dem Ortsausgang gab es eine Einlassstelle und hier sollte für den Eintritt dann 40 Sol (etwa 10 Euro) pro Person bezahlt werden. Wir hätten zwar zuvor in Cusco für 70 Sol ein Rundumticket kaufen können, hiermit hätten wir die meisten Stätten besuchen können, doch da wir keine ausgeprägten Museumsbesucher sind, hatten wir diesbezüglich auf den Kauf dieses Tickets verzichtet. Ihr werdet Euch zwar bestimmt fragen warum 10 Euro uns zuviel sind, doch dazu muss man sagen, dass an fast allen Stellen hier ein solcher Eintritt verlangt wird (ganz besonders hervorzuheben dabei Machu Picchu und Peru Rail, doch dazu mehr später) und das 40 Sol für peruanische Verhältnisse extrem, aber wirklich extrem viel Geld für ein Eintrittsticket ist. Wir haben dann auch dem netten man an der Einlassstelle dankend abgesagt, obwohl er uns sogar für die Hälfte reingelassen hätte. Stattdessen, so sagten wir uns, schauen wir uns die nähere Gegend lieber ein wenig genauer an. So gingen wir den Hang zurück hinab und schlugen dann rechts ein, um ein wenig auf einem anderen Bergabschnitt ein wenig nach oben zu gehen. Ohne es bewusst gewollt oder beabsichtigt zu haben kamen wir so aber wieder auf die Terrassen- und Ruinenanlage wieder zurück, doch diesmal um ein weites weiter oben, nach der Einlassstelle. Nun gut, so besichtigten wir halt als Schwarzfahrer bzw. -geher die Pisacruinen.
Weiter ging es nun, als leichte bergab bzw. flach weiter, dem Urubambafluß (auch Vilcanotafluß genannt) folgend, dem Valle Sagrado Tal entlang. In Urubamba kamen wir bereits zur Mittagszeit an und nach kurzer Suche fanden wir ein nettes Lokal mit Andenspezialitäten Buffet. Ich schlug mir hier gut die Wampe voll, ohne Rücksicht auf die Weiterfahrt. Dementsprechend schwerfällig viel mir dann auch der Rest der Tagestour bis Ollantaytambo. Dort war erst mal für die weiteren Tage Schluss mit Radfahren, denn von hier geht es eigentlich nur noch per Bahn (Peru Rail) oder zu Fuss, auf dem Inkapfad, nach Machu Picchu weiter. Beides ist aber eigentlich keine Alternative, da man für beides kräftig zur Kasse gebeten wird. Mit Peru Rail (wurde privatisiert und ist nun eine Chilenische Gesellschaft) z.B. kostet die günstigste Fahrt hin und zurück von Ollantaytambo aus 44,00 $ US. Eine Trekkingtour auf dem Inkapfad soll (wir haben diese Zahl zwar nur gehört, kann aber trotzdem gut stimmen) etwa gut 240 $ US veranschlagen. Hinzu kommt dann aber noch der Eintritt für Machu Picchu, welcher nochmals mit knapp 40,00 $ US zu Buche schlägt. Die Abzockerei, sie ist es wirklich im wahrsten Sinne des Wortes, war uns dann doch zu viel und wir entschieden uns für eine zwar etwas beschwersicherere, dafür aber etwas kostengünstigere Variante. So fuhren wir von Ollantaytambo mit dem Bus erst mal bis Quillabamba (eigentlich hätten wir bereits in Santa Maria aussteigen können, doch da unsere Bus erst sehr spät abgefahren ist und an diesem Tag kein Weiterkommen von Santa Maria aus möglich gewesen wäre, sind wir bis Quillabamba weitergefahren), um am darauffolgenden Tag, von Quillabamba wieder ein Stück zurück zu fahren bis Santa Maria. Von dort aus ging es in einem Kleinbus weiter, den Urubambafluß hinauf bis Santa Teresa. Hier machten wir eine Nacht nochmals Zwischenstopp und genossen am Spätnachmittag dort die warmen Thermalquellen vor Ort. Am nächsten Tag durften wir dann morgens erst mal abenteuermäßig den Fluss überqueren in einem „Oralla" (einem Karren, welcher an einem gespannten Stahlseil hängt und durch Muskelkraft fortbewegt wird). Danach ging es noch ein Stück des Weges in einem LKW weiter, bis zur sogenannten Hydroelectrica. Von dort aus konnten wir dann auf der Schienenstrecke aus bis nach Aguas Calientes (Ort bei Machu Picchu) laufen. Transportmäßig beliefen sich so unsere Kosten auf 24,50 Sol pro Person, was etwa 6 Euro sind. Zurück nach Ollantaytambo wollten wir dann eigentlich auch auf den Schienen laufen, doch dazu mehr später.
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Auf dem Weg nach Machu Picchu

Aguas Calientes selbst ist ein reiner und künstlicher Touristenort. Nichts hier hat etwas mit einer ursprünglichen Bebauung gemeinsam. Es gibt fast nur Hotel- und Restaurantbauten und an allen Ecken werden fleißig weitere Hütten zusammen gezimmert. Das zuvor beschriebene Preisniveau setzt sich so bei allen Dingen dort vor Ort weiter fort. Ohne Scham wird hier voll zugelangt, warum auch nicht, man hat ja so gut wie ein Monopol. Erwähnenswert ist auch die Busfahrt hin und zurück nach Machu Picchu, welche für etwa 10 Minuten Fahrzeit pro Strecke 6 $ US, also 12 $ US hin und zurück kostet. Noch so ein Monopol. Man hatte uns jedoch in Ollantaytambo zuvor auf eine Variante verwiesen, mit welchen man die Fahrt- und Eintrittskosten hätte wegfallen lassen können. So sagte man uns, dass, wenn man vor 5 Uhr morgens nach Machu Picchu hochläuft, man frei in die Anlage kann, da es um diese Uhrzeit dort noch keine Kontrollen und Aufpasser gibt. Wir hatten uns daher dies auf unseren Ablaufszettel eingetragen, doch Mun Suk spielte mal wieder gesundheitlich nicht mit. Ihre zuvor in Cusco eingefangene Infektionen muss wohl noch nicht 100% auskuriert gewesen sein, denn nach dem Abschnitt bis Aguas Calientes schwächelte sie wieder und hatte leichte Erkältungserscheinungen. So war denn die Lust auf ein illegales Eintreten nach Machu Picchu gegen null gesunken, denn die Anstrengungen, früh morgens um etwa 3 Uhr aufstehen und zwei Stunden den Berg hinauflaufen, gegen null gesunken. Also nahmen wir brav am 18.11. um 05:30 Uhr wie andere Touristen auch den teuren Bus hinauf und löhnten jeder die 40 $ US Eintritt. Einen Vorteil hatte das Ganze jedoch, wir kamen so nicht entkräftet oben an und konnten so auch den Aufstieg auf den Wayna Picchu (Berg neben Machu Picchu) in Angriff nehmen. Mit dem Wetter hatten wir an diesem Tage auch, zumindest bis zur Mittagszeit, einigermaßen Glück und auch die Touristenströme hielten sich an diesem Tage wohl noch gut in Grenzen. Tags zuvor, so sagten uns ein paar andere Touristen, war die Anlage wohl gut überschwemmt mit Touristen und in der Hochsaison so um Juni bis August, sei vor lauter Touristen kein Machu Picchu mehr zu sehen. Nun gut, wir waren eine der ersten Touristen an diesem Tage, die die Anlage betraten und so sind wir, fotografiermäßig, gut auf unsere Kosten gekommen. Auch der Aufstieg auf den Wayna Picchu, obwohl extrem anstrengend und z.T. gut gefährlich, hat sich auch gelohnt, denn von dort oben hat man einen herrlichen Überblick über die Anlage von Machu Picchu. Nachdem wir den Abstieg vom Wayna Picchu hinter uns hatten, setzte zwar etwas Regen ein, doch auch mit der Ruhe war es vorbei, denn nun mussten wir uns gegen den Strom der anderen Touristen und Besucherschulklassen zurückkämpfen. Das entspannte Betrachten bzw. ruhige fotografieren der Anlage war damit vorbei. Aber was soll's, in den Genuss kommt man sowieso nur allerseltenst und davon hatten wir z.T. zumindest am Anfang unseres Besuches etwas.
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Machu Picchu

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Aufstieg zum Wayna Picchu

Weil jedoch der Besuch von Machu Picchu bzw. der Auf- und Abstieg auf den Wayna Picchu doch ziemlich anstrengend war, hat sich Mun Suk Erkältung dadurch noch etwas verschlechtert. Kaum im Hotel angekommen hat sie sich daher gleich ins Bett gelegt und an ein Zurücklaufen, am nächsten Tag, nach Ollantaytambo war daher nicht mehr zu denken. Wohl oder Übel, denn an einen lange und anstrengende Busfahrt war daher auch nicht zu denken, mussten wir daher mit der Bahn fahren. Natürlich gab es auch nicht mehr die etwas günstigeren Backpackertickets und so mussten wir für die kurze Strecke bis nach Ollantaytambo, es sind gerade einmal 1 Stunde und 20 Minuten Fahrzeit und etwa nur 45 km, jeder 35,75 $ US bezahlen. Gespart haben wir also so bei unserer Tour kostenmäßig gegenüber einer Bahnfahrt hin und zurück von Ollantaytambo aus gar nichts, aber landschaftlich reizvoller war sie allemal zudem.
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Hasta pronto (Bis bald)

Ollantaytambo wollte uns nicht loslassen. Kaum kamen wir von Machu Picchu zurück und am darauffolgenden Tag sollte es weitergehen, da lag Mun Suk auch schon wieder mit einer heftigen Erkältung danieder. Diesmal wollten auch die Standardheilversuche und -medikamente nicht helfen, so dass wir zu härteren Mitteln greifen mussten und auch das örtliche Krankenhaus aufsuchten. Wir wollten der eingefangenen Erkältung endlich den Garaus machen. Der dort behandelnde Arzt diagnostisierte auch brav eine kräftige Erkältung, doch zusätzlich dazu noch eine Allergie. Er erläuterte uns, dass gerade Ollantaytambo einer der am stärkst belasteten Orte für Allergiker innerhalb Perú ist und für Heuschnupfen und manch andere Allergie scheint Mun Suk sowieso ein Fabel zu haben. Der Arzt übergab uns zum Abschied noch ein Rezeptschein, für ein paar zusätzliche kräftige Medikamente, doch so recht wollten diese auch nicht weiterhelfen. Da kam uns die Hotelbesitzerin zur Hilfe und brachte Mun Suk eine Thermoskanne voll mit Muña-Tee. Und siehe da, nachdem Mun Suk fast die ganze Thermoskanne gelehrt hatte und danach ordentlich ins schwitzen kam, war sie am darauffolgenden Tag so gut wie neu geboren.
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Mun Suk in der Hostalküche

Vier weitere Tage darauf verweilten wir jedoch noch in Ollantaytambo, denn wir wollten sichergehen das die Erkältung endgültig überwunden ist. Zum Glück ging es Mun Suk von Tag zu Tag besser und am 27.11. konnten wir dann unserer Räder wieder satteln. Für den Ausgang aus dem Valle Sagrado hatte ich auf der Straßenkarte eine interessante Route entdeckt, welche durch eine Schlucht, der Eisenbahnlinie folgend, an einem Fluss entlang ging. Es war herrlich, denn auf dieser Strecke gab es so gut wie keinen Verkehr. Zwar war die Strasse nicht geteert, doch es lies sich auch so sehr angenehm darauf fahren. Auch die Steigungen hielten sich in Grenzen, obwohl wir uns hoch auf das Plateau schrauben mussten und dabei rund 500 Höhenmeter überwinden mussten. In Huarocondo, dem nächst erreichbaren Ort auf der Strecke, konnten Mittag machen und uns an der Spezialität des Ortes weiden: im Ofen gebackenes Schwein. Hmmmmhhhhh lecker. Dann hatten wir noch ein paar Kilometer zu fahren, um wieder auf die Panamericana zu kommen und einen Ort zu erreichen, indem wir übernachten konnten. Izucuchaca hieß das Nest, wo es leider nur zwei Hostals zur Auswahl gab, wovon beide auch dem leichten Gewerbe zugetan waren. Schallisolierung ist auch so eines der Fremdwörter auf diesem Kontinent und so ging es dementsprechend geräuschvoll diese Nacht zu.

Wieder einmal galt es einen hohen Pass (Abra Hullique) zu bezwingen. Die Höhenangabe für diesen Pass schwankte auf unseren Straßenkarten zwischen 3900 und 4300 Meter Höhe. Wau, welch Differenz dachte ich mir, da hat sich wohl einer ziemlich vertan, so dachte ich mir. Als wir dann oben auf dem Pass ankamen, wollte ich es zuerst aber gar nicht wahrhaben. Gerade einmal 3709 Höhenmeter zeigte mein Höhenmesser an und auch die offizielle Angabe auf einem Straßenschild wies nur 3712 Meter aus. So genau können also Straßenbauingenieure messen ;-)). Wir freuten uns aber ehrlich gesagt darüber, brauchten wir doch so an diesem Tage nicht weiter die Berge rauf zu strampeln. Nach überschreiten der Passhöhe ging es dann rasant bergab, der Ort Limatambo folgte und tags darauf Curahuasi. Sind schon lustige Ortsnamen, nicht? In Curahuasi quartierten wir uns für ein paar Tage ein, denn wir wollten einen Ausflug, per pedes, nach Choquequirau unternehmen. Bei Choquequirau handelt es sich um eine alte Inkastädte, ähnlich Machu Picchu. Sie ist sogar größer als diese, jedoch mit weniger Gebäuden und auch erst zu ca. 20 bis 30 % freigelegt. Um Choquequirau zu erreichen machten wir uns zuerst per Auto erst auf den Weg nach Cachora. Hier mieteten wir uns ein Maultier für den Transport unseres Gepäcks und heuerten den dazugehörigen Maultierführer mit an. Ich wollte zwar gerne ohne zusätzliche Begleitung losziehen, doch das ließen die Vermieter des Maultieres nicht zu. Ehrlich gesagt war das auch gut so, denn es war schon eine ausgeklügelte Bepackung des Maultiers, die verhinderte, dass unsere Sachen abhanden kamen oder beschädigt wurden.
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Start zur Choquequirau Trekkingtour

Vier Tage für diesen Treckingtrip lagen vor uns. Hätten wir zuvor gewusst, was da auf uns zukommt, wer weis ob wir es wirklich angegangen wären. So trotteten wir jedoch am  1.12.2007 von Cachora erst einmal gemütlich, aber im strammen Schritt, wohlgemutet los. Die ersten Kilometer waren auch easy, es ging ja „nur" bergab. Etwa 2900 Meter hoch liegt Cachora und für den ersten Tag ging unsere Tour fast bis zum Apurimac Fluss, auf 1800 M Höhe, hinunter. Wie gesagt, die ersten Meter waren leicht, doch ab der Hälfte des Weges dann ging es dann steil und über größere Vorsprünge bzw. Stufen weit hinunter. Jeder Schritt bergab war ein kontinuierliches abfedern und abfangen der eigenen Masse. Da ich davon einiges vorzuweisen habe, bedeutete dies auch eine erhebliche Arbeit für meine Kniegelenke. Nach über 8 Stunden des Laufens fingen diese so auch ordentlich zu Schmerzen an. Wieder einmal wurde so deutlich, dass man als Radfahrer, oder vice versa, auch Wanderer, nicht unbedingt die gleiche Muskulatur in Anspruch nimmt. Ermattet vielen wir so die erste Nacht in unserem Zelt schnell in den Schlaf. Am zweiten Tag ging es dann noch ein paar Meter bergab zum Fluss, um dann sich auf der anderen Seite des Flusses, steil nach oben zu schrauben. Von 1800 Metern galt es bis auf knapp über 3000 Meter zu kommen. Die ersten Meter bergab zum Fluss schmerzten die Knie ganz ordentlich. Ich behalf mich hier mit einem Trick in dem ich einfach rückwärts bergab lief. Das sah zwar ziemlich ulkig aus, aber zum einen waren wir die Einzigen auf der Strecke und zum anderen war es mir ehrlich gesagt egal. Meine Knie jedenfalls dankten es mir und schmerzten weniger. Bergauf auf der anderen Seite war es zum Glück dann für die Knie wieder o.k., dafür wurde es aber zu einer Plackerei, in der Hitze steil bergauf zu wandern. Mit letzter Kraft erreichten wir, kurz vorm einsetzen der Dämmerung, den Campingplatz, in der Nähe von Choquequirau. Eigentlich dachte ich mir an diesem Abend, dass die Inkas schon einen ordentlichen Schlag weggehabt haben müssen, an solch einer so unzugänglichen Stelle, so eine riesige Anlage bauen zu lassen. Vielleicht waren es aber ja auch Sadisten, wer weis. Viel mehr Zeit blieb mir aber nicht mehr die Gedanken weiterzuspinnen, denn der Sandmann hatte große Eile. Am darauffolgenden Morgen standen wir beizeiten auf, um Choquequirau dem ihm gebührenden Besuch abzustatten und wir hatten diese Anlage, ehrlich gesagt, für uns alleine. Sowieso kommen hierher nicht allzu viele Besucher, mal abgesehen von den Monaten Juli und August. Es war eine ahnheimliche, wenn nicht sogar spirituelle Stimmung, denn der Ort lag teilweise noch in Wolken und später zogen vom Fluss bergauf immer wieder Wolken hoch. Wir konnten uns in der Anlage frei bewegen, doch beschränkten wir uns freiwillig auf den leicht zu erschließenden Teil, denn wir hatten keine allzu große Lust, ein paar Hundert Höhenmeter hinab und wieder hinauf zu steigen, denn an diesem Tage lag für uns sowieso wieder der Abstieg zum Fluss bevor. Es waren aber auch nur ein paar Terrassenfelder und ein paar kleiner Gebäude, die wir so ausließen.
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Auf dem Hauptplatz in Choquequirau

Gegen Mittag dann machten wir uns aber schon wieder auf den Rückweg. Schnell bauten wir unser Zelt ab und es ging mal wieder und das dann auch ziemlich brutal, bis zum Fluß bergab. Wieder lief ich rückwärts, um meine Knie zu schonen. In Santa Rosa einem kleinen Zwischenstop auf dem Weg gab es zur Entschädigung eine gute Chicha (hier hergestellt aus vergorenem Zuckerrohrsaft) zu trinken, von der ich mir auch gleich zwei Karaffen voll genehmigte. Dies munterte mich ein bisschen auf und half nebenbei, den Flüssigkeitshaushalt meines Körpers wieder aufzupäppeln. Doch der Aufmunterungseffekt war nur von kurzer Dauer, den wir mussten uns weiter und weiter bergab bringen und kaum hatten wir das am späten Nachmittag geschafft, so waren auf der anderen Seite noch gut 300 Höhenmeter wieder nach oben bis zum Campingplatz zu gehen. Dort angekommen waren wir wirklich groggy und ausgelaugt. Die Knie schmerzten ordentlich bei mir und beide hatten wir einen wunderschönen Muskelkater. So arrangierten wir für den letzten Tag noch schnell zwei weitere Transporttiere, ein Pferd für Mun Suk und ein Maultier für mich, um zurück nach Cachora zu kommen. Diese beiden standen uns zwar nur für die halbe Tagesetappe zur Verfügung, doch dies war ja der Teil, wo es am steilsten bergauf ging, so dass die armen Lastentiere für uns doch eine große Hilfe waren. Als wir dann am gleichen Tag am späten Nachmittag wieder in Curahuasi ankamen, humpelten wir schnell in unser Zimmer und verließen den Ort die darauffolgenden 3 Tage nicht mehr. Unser Muskelkater war so groß, dass er uns kein vorzeitigeres Weiterziehen erlaubte.

Am 8.12.2007, der Muskelkater war einigermaßen überstanden, ging es weiter Richtung Abancay. Uns stand ein schön hoher Pass bevor und schon kurz nach Curahuasi schraubte sich die Strasse unaufhörsam in die Höhe. Es war leicht bewölkt und in der Höhe war die Strasse noch in Wolken gehüllt. In der Ferne rumorte es kräftig im Gebälk, doch Petrus hatte wohl ein sehen mit uns und er belies das Gewitter an einer gegenüberliegenden Bergkette. Durch die Wolken war es zum Glück nicht so warm, doch ins schwitzen kamen wir auch so. Die Bergaufstrecke wollte und wollte kein Ende nehmen. Am Nachmittag dann endlich hatten wir die Passhöhe mit 4100 Metern dann endlich erreicht. Gut 1315 Meter Höhendifferenz hatten wir damit überwunden, was für uns ein neuer Steigungsrekord bedeutete. Doch alles was wir mühsam erarbeitet hatten wurde auch anschließend gleich wieder zunichte gemacht, denn nach Abancay ging es sogleich bergab hinunter. Tausende von Kurven forderten allerhöchste Konzentration und die Fahrradbremsen kamen dabei auch gut ins glühen.
Man hatte uns vor Abancay gewarnt, denn die Tage zuvor gab es dort Unruhen und es soll sogar zwei Todesfälle dort gegeben haben. Wie wir erfahren hatten, waren die Unruhen wegen politischer Unzufriedenheiten entstanden und das südamerikanische Temperament, gerade bei den Andenbewohnern, kann, wenn es erst einmal in Wallung geraten ist, dann nur noch schwer unter Kontrolle gehalten werden. Es soll heftigste Kämpfe zwischen den Einwohnern und der Polizei gegeben haben und Touristen, welche nach Gringos (Nordamerikaner) aussehen, sollen auch nicht gerade willkommen gewesen. Unser Muskelkater zuvor in Curahuasi hatte uns somit indirekt einen großen Gefallen getan, denn als wir in Abancay eintrafen war alles wieder beruhigt und die Leute waren nett und friedlich wie gewohnt. Nach Abancay ging es dann noch mal ein gutes Stück bergab, bis zu einem Fluss von dem es dann anschließend, dem Fluss folgend, wieder sachte bergauf ging. Plötzlich, ohne Vorwarnung, fing mein Rücken zu jucken an. Na gut mag man sagen, dass passiert einem ja schon mal öfters, doch dieses Mal war es wirklich etwas besonderes. Sofort hielt ich, eine Vollbremsung hinlegend, an und versuchte mir mit wilden Kratzaktionen Linderung zu verschaffen. Doch anstatt zu helfen wurde der Juckreiz nur noch größer. Vehement nahm dieser Zustand auch noch zu und auch Mun Suk's zu Hilfe eilen brachte mir keine Linderung. Ich wurde fast Wahnsinnig, denn es war, als bohrten sich tausender kleiner Nadeln durch die Haut. Erst als Mun Suk mit einem in kaltem Wasser getränktem Tuch ankam und mir den Rücken damit abwusch, trat endlich nach einigen Minuten etwas Linderung ein. Ehrlich gesagt so eine Jucktirade hatte ich noch nie und ich bin auch nicht sehr scharf darauf, nochmals so etwas zu bekommen. Es ist mir bis heute ein Rätsel wodurch das Ganze ausgelöst worden ist. Einzig und allein ein sehr kleiner Sonnenbrand, wirklich kaum bemerkenswert, zwei Tage zuvor, kann als einziger Schuldiger dafür herhalten. Doch Sonnenbrände hatte ich schon so manche, nur so eine Juckfolter bisher noch nie. Folter

Nachdem diese Marter überstanden war, erreichten wir am frühen Nachmittag einen kleinen Ort Namens Circa. Da wir noch nichts Ordentliches zu Mittag gegessen hatten, lockte uns ein Schild neben einer Einfahrt zu einem schönen, mit viel Grün bewachsenen Grundstück. Dieser Ort war so etwas wie ein Wochenendausflugsplatz für die Städter aus Abancay. Es gab im Freien ein paar Tische und in einem kleinen Haus war die Küche untergebracht. Wir ließen uns beide frische Forellen servieren und genossen dabei ein kühles Bier (einen Weiswein gab es leider nicht). Weil uns der Ort so gut gefiel fragten wir flugs nach, ob wir unser Zelt auf dem Grundstück aufschlagen dürfen. Die Besitzer hatten nichts einzuwenden und so freuten wir uns schon, endlich mal wieder eine Nacht in unserem Zelt zu verbringen. Eigentlich war fast alles perfekt, doch dann konnten wir fast die ganze Nacht kein Auge zu bekommen, denn alle Hunde aus dem Dorf führten in dieser Nacht eine lange und lautstarke Unterhaltung untereinander. Gut gerädert krochen wir aus den Schlafsäcken, frühstückten schnell und machten uns wieder auf den Weg. Ein langes Etappenstück von rund 110 km bis nach Chalhuanca stand uns bevor. Die Steigung war einigermaßen erträglich, doch die Hitze, welche rasch zunahm, lies uns gut ermatten. Am Nachmittag fing dann Mun Suk an rumzunörgeln, sie hatte keine Lust mehr weiterzufahren. Da sahen wir, noch etwa 20 km von Chalhuanca entfernt, eine neue Touristenhotelanlage am Wegesrand stehen, welche sich aber z. Z. noch im Bau befand. Da die Anlage aber sehr interessant aussah, es waren verschiedene Häuser, alle aus Adobe (getrocknete Lehmziegel) errichtet, hielten wir kurz an, um ein besseren Blick darauf werfen zu können. Da kam Mun Suk's Retter, Adriano, ein Peruaner italienischer Abstammung, aus dem offen stehenden Tor uns entgegen, fragte uns kurz was wir denn hier mit den Rädern so machen und lud uns ein, auf dem Grundstück zu campen. Letztendlich konnten wir dann jedoch im bereits fertig gestellten Restaurant sogar unser Zelt aufschlagen, da es dort geschützter war und der Betrieb dort noch nicht aufgenommen war. Adriano fuhr zwar dann bald weiter, doch mit Pepe, dem Chefkoch, welcher auch ein Peruaner mit italienischer Abstammung ist, plauderten wir noch ein wenig am Abend, hauptsächlich über gutes Essen.

In den Gesprächen mit Adriano und Pepe konnten wir erfahren, dass die weitere Strecke, kurz nach Chalhuanca, zuerst wieder steil bergauf verläuft und dann, über eine Hochebene auf rund 4300 Metern Höhe, größtenteils durch unbewohntes Land für fast 200 km geht. Da es dort auch angeblich nichts zu sehen geben sollte, beschlossen wir, noch bis Chalhuanca mit dem Rad zu fahren, um dann dort diese Strecke mit einem Bus oder LKW zu überbrücken. Gedacht, gesagt, getan. Ursprünglich wollten wir nur bis Puqio fahren, doch als wir dort am späten Nachmittag ankamen und nur einen trostlosen und staubigen Ort vorfanden, beließen wir unsere Räder auf dem Dach des Busses und fuhren so gleich weiter bis Nazca. Dadurch haben wir zwar versäumt ein paar Vicuñas etwas näher zu sehen, doch die Entscheidung haben wir nicht bereut, denn gleich nach Puqio ging es wieder einen steilen Pass nach oben und die Straßenverhältnisse bis Nazca waren zudem nicht die Allerbesten. In Nazca kamen wir dadurch jedoch mitten in der Nacht um 22:00 Uhr an. Das Bußterminal bzw. der Halteplatz war fast stockfinster und es wimmelte von Leuten dort. Allein durch unsere erhöhte Wachsamkeit kamen wir dadurch schon gut ins schwitzen, wollte wir doch mit allen Sachen das Terminal verlassen. Die notwendigen Handgriffe zum bepacken unserer Räder beherrschen wir fast jedoch schon blind und so ging der Aufbau rasch vonstatten. Von Pepe hatten wir zuvor ein paar Tipps zum Übernachten erhalten und so steuerten wir diese Hotels direkt an. Das Zweite entsprach auch unseren Vorstellungen und so blieb uns eine längere Sucherei in der Nacht erspart.
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Gary, ein 72 Jahre alter US-Amerikaner unterwegs vom Norden Alaskas in den Süden Argentiniens

Den nächsten Tag in Nazca machten wir uns nicht sofort auf den Weg zu den Nazca-Linien, sondern nutzten ihn für die Hausarbeit wie z.B. Wäschewaschen. An diesem Tage trafen wir auch einen anderen Radreisenden, welcher auf dem Weg von Alaska nach Feuerland war. Gary, ein Nordamerikaner, mit sage und schreibe 71 Jahren auf dem Buckel. Woah, alle Achtung. Wir haben Gary noch ein paar gute Empfehlungen für Cusco und Machu Picchu mit auf dem Weg gegeben, doch dann mussten wir uns auch schon wieder von ihm verabschieden, denn er wollte die Strecke bis Cusco mit dem Bus überbrücken. Am nächsten Tag, am frühen Morgen, machten wir dann den Rundflug über die Nazca Linien mit einer kleinen Viersitzermaschine und es war sehr beeindruckend diese aus Luft zu sehen. Unser Pilot gab sich auch alle Mühe, dass auch jeder die Linien gut sehen konnte. Wir flogen in Steilkurven einmal rechts- und anschließend linksherum, um die einzelnen Linienmuster. Dabei konzentrierten wir uns natürlich fleißig aufs Fotografieren, was aber in Verbindung mit den heftigen Flugwechsel nicht gerade gut für den Gleichgewichtssinn war. Mun Suk musste so auch Tribut zahlen und füllte brav ihren Plastikbeutel mit Mageninhalt. Dieser bestand zwar nur aus grünem Wasser, denn sie hatte wohl wissentlich zuvor nichts gefrühstückt, halt nur zuvor etwas getrunken und ein grünes Bonbon gelutscht. Ich blieb zum Glück verschont, musste mich aber gut daraufhin konzentrieren.
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Der Kolibri - Nazca Linien aus der Luft betrachtet

Nach Nazca ging es wieder per Rad weiter, zuerst nach Palpa, folgend von Ica und Paracas. Die ganze Strecke über war ausschließlich Wüsste, staubtrocken und sehr heiß. Wie aus dem Nichts tauchten vor den Orten grüne Oasen auf. Ein Phänomen, wenn man bedenkt, das es hier das ganze Jahr über so gut wie nie regnet. Es handelt sich dabei um unterirdisches Quellwasser, welches von den nicht allzu weiten Berghängen her kommt. Doch auch dort regnet es seltsamerweise ebenso wenig, wie an den zuvor genannten Stellen. Bei Ica hatten wir noch einen Abstecher zu einer richtigen Oase, Huacachina, gemacht. Hier gibt es, eingerahmt von hohen Sanddünen, einen kleinen See mit Palmen und umbaut von zahlreichen Hotels und Restaurants. Ach ja, Ica ist zudem auch bekannt für seinen Weintraubenanbau und dem daraus gewonnenen Branntwein, Pisco genannt. Eine traditionellen Piscobrennerei  haben wir deswegen auch besucht und durften nebenbei, dort auch ein wenig die unterschiedlichen Piscosorten einmal probieren. Mit dem Rad zu reisen hat aber leider nicht nur Vorteile. Denn wir konnten so leider nichts von dem guten Saft mitnehmen, da unsere Transportkapazitäten diesbezüglich doch ein wenig beschränkt sind.

Weihnachten stand vor der Tür und in Paracas hatten wir einen angenehmen Ort gefunden, wo wir diese Zeit verbringen konnten. Direkt am Meer gelegen, mit zahlreichen Hotels und Restaurants versehen, wo es endlich auch wieder reichlich frische Meeresfrüchte zu essen gab. Von dort aus haben wir einen Bootsausflug zu den Islas Ballestas gemacht, wo wir ein paar Humboltpinguine, viele Seehunde und viele Seemöwen und andere Vögel beobachten konnten. Die See war ruhig und es war ein sehr schöner Ausflug, sieht man von der geruchlichen Belästigung einmal ab. Denn es hat bei den Inseln dermaßen gestunken, da dort wird eines der teuersten Düngemittel abgebaut wird, Guano (Vogelkot). Ja, auch Schei... kann teuer sein
J. Bei Paracas gibt es dann auch noch ein kleines Naturschutzgebiet, welches die Halbinsel um Paracas beinhaltet. Pure Wüste, mit einer wunderschönen Steilküste zum Meer hin. Dieses Naturschutzgebiet haben wir in einer Tagestour, mit dem Rad, erkundet. Herrlich, sich einmal ohne Gepäck mit dem Rad fortzubewegen. Sogar auf dem Sand querfeldein lies es sich gut fahren, da dieser dort, wohl durch die extremen klimatischen Verhältnisse, sich gut verfestigt hat. Hatten wir gedacht, dass uns die Wüste eigentlich schon über ist, so hat es uns hier jedoch ordentlich Spaß gemacht.

Lima war nicht mehr weit. Wir merkten das auch an dem Verkehr, der von Tag zu Tag ordentlich zunahm. Und weil es auf der Panamericana an der Küste entlang nur selten einmal eine Kurve gibt, fühlen sich wohl alle als kleine Schuhmachers und versuchen neue Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen. Geschwindigkeitsbegrenzungen, haben hier bzw. eigentlich überall in Südamerika, nur einen theoretischen Ansatz und die einzigste Begrenzung wird durch die physikalischen Naturgesetze bzw. die Leistungsfähigkeit des Fahrzeugs vorgegeben. Ehrlich gesagt, es hat keinen Spaß mehr gemacht, auf dieser Strecke zu fahren, ja es wurde sogar z. T. gefährlich. Rücksicht nehmen scheint hier eines der großen Fremdwörter zu sein, mit dem die „normalen" Kfz, Lkw oder Busverkehrsteilnehmer, zumindest ein großer Anteil davon, nichts anzufangen weiß. Wir beschlossen daher, in San Vicente de Cañete, ca. 150 km vor Lima, einen Bus bis in die Innenstadt von Lima zu nehmen, die Fahrräder im Gepäck. Am 28.12. kamen wir so in Lima, der Hauptstadt des Landes mit ihren 8 Millionen Einwohnern, an. Ein paar Meter mussten wir uns dann doch noch durch die Stadt quälen, bis wir ein einigermaßen erträgliches Hotel in der Innenstadt ausfindig machen konnten. Zwar wollten wir uns ursprünglich in Miraflores, einem Stadtteil südlich des Zentrums gelegen, einquartieren, doch beide hatten wir an diesem Tage keine allzu großen Lust mehr, uns noch 10 km durch die Stadt zu schlagen zu müssen. Die Innenstadt, das Zentrum von Lima, ist, mal abgesehen von dem Hauptplatz und vielen Kirchen und ein paar historischen Gebäuden, einen von den Touristen hotelmäßig gemiedener Ort, da das Zentrum ziemlich heruntergekommen ist und es von vielen, auch von den Einheimischen, als unsicher angesehen wird. So haben wir denn auch nach zwei Tagen das Quartier gewechselt und sind, auf etwas ruhigeren Strassen dann doch noch nach Miraflores gewechselt. Tags zuvor hatten wir dort den Stadtteil bereits zu Fuß erkundet und eine kleine und angenehme Herberge ausfindig gemacht. Es war schon ein gewaltiger Unterschied, zwischen diesem Stadtteil und dem Zentrum oder bestimmt auch manch anderen Stadtteilen von Lima. Viele Hochhäuser, gerade an der Strandpromenade, sauber und gepflegt, überall Wachpersonal und Polizisten. Nachteil des „Luxus", die Preise sind auch schon fast europäisch.
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Häuser an der Plaza de Armas in Lima

SO, NUN IST ERST EINMAL HALBZEIT

Für 6 Monate machen wir nun einen Aussetzer, denn wir werden in dieser Zeit nach Deutschland und Korea reisen. Danach kommen wir wieder nach Peru zurück und setzen unsere Fahrrad-Welt-Reise Tour weiter fort. Unsere Räder und das meiste Reisegepäck haben wir in Lima bei KOTRA (Koreanische Handelskammer) eingebunkert, die uns dafür freundlicherweise einen kleinen Abstellraum zur Verfügung gestellt haben.
In Deutschland und Korea wartet nun viel Arbeit auf uns. Mun Suk will ihr zweites Reisebuch in Korea herausbringen und ich will unsere Homepage neu überarbeiten, die Reiseberichte ins englische und spanische übersetzen und, und, und. Auch haben wir vor, in Korea zwei oder drei Diavorträge über unsere Reise abzuhalten und, wenn es klappt, eine kleines Radreiseprojekt mit interessierten Koreanern durchzuführen.

Im August geht es dann wieder auf Tour, weiter in Südamerika.
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La reapertura no es tan fácil (Der Wiedereinstieg ist gar nicht so einfach)

Am 24.08.2007 sind wir nach genau 6 Monaten wieder in Lima gelandet. Hinter uns lagen zwei lange Flüge, zuerst von Frankfurt nach Miami und anschließend, nach 12 Stunden Wartezeit im Terminal von Miami, nochmals eine Langstrecke nach Lima. Früh morgens um 06:00 Uhr kamen wir so ziemlich ausgelaugt in Lima an. Die ersten bzw. erneuten Eindrücke von der Stadt waren erst einmal ziemlich lau, denn die Vororte, welche wir bei unserer Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt bzw. dem Stadtteil Miraflores von Lima zurücklegten, sind alles andere als sehenswert. Zudem sind wir im Winter zurückgekommen und nun stand, von Morgens bis Abends, eine graue Milchsuppe über unseren Köpfen. Ca. 4 bis 5 Monate müssen die Limianer diese tiefhängenden Grauschleier ertragen, doch uns ist der Himmel schon nach ein paar Tagen auf die Gemüter geschlagen. Unsere Räder haben wir deshalb bereits am darauffolgenden Tag aus ihrem Verschlag befreit. Sie waren eingebuchten in einem Abstellraum bei Kotra (Koreanisches Handelszentrum) in Lima, im Klimaraum, wo die Fenster nicht ganz dicht waren. Nein reingeregnet hatte es nicht, dafür kam der ganze Straßenstaub samt Abgase wohl herein, denn unsere Räder bzw. alles was wir dort eingelagert hatten, war mit einer schmierigen, schwarzen Masse, ja diese war bestimmt 1 bis 2 Millimeter stark, überzogen. Doch zum Glück, nach etwa 2 Stunden Reinigungsaktion, hatten wir alles ordentlich beisammen und Direktor Kim von Kotra war zudem so freundlich, uns einen Transport unserer Sachen zu unserem Hostal zu organisieren. Dieser Transport war sehr hilfreich, denn unsere Räder mussten erst einmal zusammengebaut werden, da z.B. das Hinterrad neu eingespeicht werden musste. Angekommen im Hostal konnte ich dann damit anfangen, die Sachen zu entwirren und das Puzzle unserer Radteile wieder zusammen zu setzen. Gut 2 Tage hatte mich dies in Anspruch genommen, doch das Resultat war überzeugend. Beide Fahrräder hatten alle wieder ihre Teile am rechten Fleck. Auch ein paar Veränderungen wurden von mir an den Rädern vorgenommen. So wurde von mir das komplette Bremssystem ausgetauscht. Die Magura HS33 hatte sich, was das Reisen mit einem gut beladenen Fahrrad anbelangt, nicht unbedingt bewährt und wurde daher gegen eine LX V-Brake von Shimano ausgetauscht. Auch wurden von mir andere Sättel (Selle SMP TRK) montiert, in der Hoffnung so während des Fahrens weniger betäubte Glied- und Genitalmassen zu bekommen. 

Gut eine Woche hatte unser Wiedereinleben und Instandsetzen der Räder in Lima gedauert, doch nun sollte es endlich wieder los gehen. Es sollte gleich in Berge wieder hochgehen, denn auf die Küstenstrasse, die Panamericana, hatten wir beide keine allzu große Lust. Doch auch untrainiert und unakklimatisiert, was wir beide ja nach 6 Monaten im bequemen Flachlandleben geworden sind, konnten bzw. wollten wir nicht gleich von 0 auf über 4000 Höhenmeter mit den Rädern hochfahren. So ging es denn also erst einmal zu einem Busterminal, alles wurde mal wieder verfrachtet und in Huaraz in der Ancash Region, auf 3090 Meter Höhe sollte so unser Wiedereinstieg in die Tat umgesetzt werden. Wie gesagt, unsere alte Höhenakklimatisation war schon längst Schnee von gestern und so waren die ersten Schritte bzw. Metern die wir auf unseren Rädern in der Stadt zurücklegten extrem luftraubend. Kaum waren wir etwa ein paar Meter bergauf gefahren, da ging uns schon die Puste aus, das Herz pochte wie wild und Kopfschmerzen legten sich zudem aufs Gemüt. Unsere erste Tat war daher auch keine Stadtbesichtigung, sondern das unverzüglich Aufsuchen einer Herberge und das anschließende Ausruhen. Bei Jose im El Jacal Hostal nicht unweit der Plaza de Armas haben wir eine angenehme Pension (Hostal) gefunden und die nächsten drei Tage verbrachten wir damit, möglichst wenig zu tun und fleißig unsere roten Blutkörperchen zu vermehren. Zwar ist Huaraz nicht gerade eine besonders schöne Stadt, denn sie wurde 1970 fast komplett von einem Erdbeben zerstört, doch ihre Lage macht den fehlenden Kolonialstadtcharakter wieder wett.
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... und noch ein funktioneller Multishop: Frischgeflügel, Videotheke und Modeschmuck

Eingebettet zwischen der Cordillera Blanca (östlicher Gebirgszug mit etlichen schneebedeckten 5 bis 6 Tausender)  und der Cordillera Negra (westlich gelegen mit nicht so hohen und nicht schneebedeckten Bergen wie der Cordillera Blanca - von daher der Name Negra = schwarz) genügt allein schon ein Blick in diese fantastische Berglandschaft, um sich wohl zu fühlen. Nicht umsonst ist daher dieser Fleck in Peru eines der beliebtesten Trekkingziele Südamerikas. Da unser weiterer Routenverlauf nach Norden gehen sollte und es somit dem Fluss folgend bergab ging, wollte ich zuerst, um noch ein paar weiteren Akklimatisationsreserven aufzubauen, eine kleine Runde nach Süden, flussaufwärts, mit wenig Gepäck absolvieren. Auf der Karte bot sich der Ort Chiquian, welcher etwa 110 m von Huaraz entfernt ist, optimal an. Auch dieser Ort ist, wie Huaraz, eine Pilgerstätte für Wanderer, denn von dort aus werden auch Trekkingtouren in die angrenzende Huayhuash Gebirgsregion unternommen. Es war eigentlich keine allzu schwere Tour angedacht und in 3 bis 4 Tagen wollten wir so in Huaraz wieder gestärkt zurück sein, doch wir hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der erste Tag bis Cátac war noch einigermaßen einfach zu bewerkstelligen, doch am zweiten Tag ging es nicht nur stetig bergauf, nein, auch ein gut blasender Gegenwind wollte uns nicht nach oben lassen. Mun Suk's Reisemoral, welche sowieso nicht zum allerbesten Stand, sank von Höhenmeter zu Höhenmeter.
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Blick auf den Pastoruri

Am liebsten hätte sie kehrt gemacht, so dass ich alle meine Überredungskünste einsetzen musste, um sie auf Kurs zu halten. Völlig ausgezehrt und ermatten kamen wir so in Conococha. Der Abzweigung von der Hauptroute nach Chiquian an. Etwa 600 bis 700 Höhenmeter hatten wir gut gemacht, doch von hier aus war ein Weiterfahren für Mun Suk nicht mehr vorstellbar. Da dieser Ort aber nur aus ein paar armseligen Hütten ohne irgendeine Herberge bestand, war ein Weiterkommen unumgehbar. Lange brauchten wir aber nicht zu überlegen was zu tun ist, den just in diesem Moment tauchte ein kleiner Kurzstreckenbus auf, welchen wir unsere Räder aufs Dach aufbürden konnten und so wurden die restlichen Meter bis Chiquian dann doch noch überbrückt. Eigentlich finde ich es sehr schade, eine Strecke mit den Rad zu verschenken, soll in diesem Fall heißen mit dem Bus zu fahren, welche so gut wie nur bergab geht, doch ehrlich gesagt war ich auch ein wenig froh im Bus zu sitzen, denn die schöne Bergabstrecke war eine halsbrecherische üble Piste, welche gut über 1000 Höhenmeter hinunter ging. In Chiquian sind wir 2 Tage geblieben, haben ein wenig ausgeruht und den weiteren Verlauf unserer Kurztour als auch der weiteren Reise etwas überdacht. Nach Auskunftseinholung über den weiteren Streckenverlauf zurück nach Huaraz stand zumindest fest, das die geplante Route um den Pastoururi Berg nicht mehr zu Debatte stand. Einzigste Fahrradfahralternative war damit, wieder zurück nach Conococha zu fahren, mit dem Bus, um von dort dann bergab zurück nach Huaraz zu kommen. Wir hatten beide zwar keine allzu große Lust, die gleiche Strecke, nur andersherum, wieder zu fahren, doch die Alternative um den Pastoururi herum fiel ja wegen extrem schlecht vorhergesagter Streckenbeschaffenheit aus. Klar, die 1000 Höhenmeter hardcore Piste wurden auch wieder brav mit dem Bus absolviert, doch zumindest haben wir dann, die zuvor an zwei Tagen zurückgelegte Strecke, ohne allzu viel Murren an einem Tag zurück bis Huaraz geschafft. Zumindest hatten wir durch diesen Kurzausflug uns wieder etwas an das Radfahren gewöhnt und auch die Höhenakklimatisation war damit zu Genüge durchgeführt worden. Bevor es dann am 12.08.2007 wieder richtig los ging, hatten wir tags zuvor noch einen Abstecher mit dem Bus nach Chavin unternommen. Bekannt ist dieser kleine und nette Ort für seine preinkaische Ruinenanlage, der sogenannten Chavinkultur.
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Ruinenstätte Chavin

Nun gut, am 12.08.2007 ging es dann also endlich los, das heißt voll bepackt mit allen Taschen samt Anhänger. Dem Rio (= Fluss) Santa folgend, stromabwärts zwischen den Cordillera Blanca und Negra ging es zwar nicht nur flussabwärts, doch die Strecke war angenehm zu bewerkstelligen und auch der Verkehr hielt sich in Grenzen. Caraz war für diesen Tag unser Etappenziel und gegen 16:00 Uhr Nachmittags sind wir dort auch wohlbehalten angekommen. Am nächsten Tag haben wir aber noch mal unsere Räder im Stall bzw. Hostal gelassen, den diesen Tag haben wir dazu genutzt, der Laguna (= See) Paron in den Bergen einen Besuch abzustatten. Das Panorama welches uns darbot ist nur schwer mit Worten zu beschreiben. Am besten schaut ihr Euch die Bilder hiervon an, doch auch diese können nur einen kleinen Ausschnitt des Panoramas wiedergeben, welches uns sich präsentierte.
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Laguna Paron auf ca. 4100m Höhe

Eine türkisblaue Lagune auf etwas über 4000 Metern Höhen gelegen, eingebettet bzw. umringt von hohen, steil aufragenden und zum Teil schneebedeckten Bergen. Wir, nebst einem anderen deutschen Pärchen, Beate und Andreas, welche wir tags zuvor in Caraz kennen gelernt hatten, waren fast die Einzigsten vor Ort und so konnten wir das Naturspektakel ungestört genießen. Nach Caraz stand Huallanca auf unserer Etappenkarte und die ersten 20 km auf der Strecke waren auch größtenteils einfach zurück zu legen, denn bis dahin war die Strasse, abgesehen von ein paar kleineren Aussetzern, weitgehend asphaltiert. Dann stand uns ein weiteres Naturspektakel, der Cañon del Pato. Hier treffen sich die Cordillera Blanca und die Cordillera Negra auf engsten Raum und sind nur durch den Rio Santo getrennt, welcher sich durch diese Schlucht quält. Wie man in eine solche unwirkliche Landschaft noch eine Strasse bauen konnte, bleibt mir ein Rätsel. Nun gut der Ausdruck Strasse ist eigentlich zuviel des Guten, denn zum einen war es mit dem Asphalt vorbei und zum anderen reduzierte sich die Straßenbreite auf etwa 2,5 bis 3 Meter grobe Piste, mit Wellblecheinlagen und Schlaglöchern übersäht. Das I-Tüpfelchen für uns waren dazu aber dann die vielen Tunnels, welche es galt zu durchfahren, teilweise in tiefster Finsternis, denn unsere Beleuchtung schaffte es nicht, auch nur den Ansatz von etwas Helligkeit dort zu liefern. 36 Tunnels waren es. Gut es waren nicht alle so lange, so dass man bei den meisten nur ein paar Meter hatte und das Tageslicht, von vorne oder hinten, ausreichte um genügend Helligkeit innerhalb des Tunnels zu haben. Doch die 8 bis 10 davon etwa, welche länger waren oder zum Teil um die Kurve gingen waren dafür um so haarsträubender, denn obwohl der Verkehr auf der Strecke äußerst gering war, es gab ihn doch und wenn man mitten in einem sehr, sehr schmalen, unbeleuchteten und ungesicherten Tunnel sich befindet, durch welchen gerade einmal ein KFZ bzw. kleiner LKW durchpasst und dann, es muss ja so kommen, ein Fahrzeug einem von vorne entgegen kommt, nun ja, dann sind halt die Nerven aufs äußerste gut angespannt. Anhand der Tatsache das ihr hier diesen Bericht lesen könnt, könnt ihr feststellen, dass wir diesen „eindrucksvollen" Abschnitt lebend überstanden haben. In Huallanca, einem friedfertigen kleinem Nest, welches sich uns nach dem Cañon del Pato darbot, fanden wir einen Unterschlupf für die Nacht. Um die angespannten Muskeln etwas zu entlasten unternahmen wir einen Dorfrundgang bzw. es wurden drei Durchläufe, denn ein Durchgang dauerte gerade einmal 8 Minuten. Uns wurde gesagt, dass der weitere Verlauf der Strecke nicht mehr ganz so anstrengend sein sollte, wie der Abschnitt zuvor, doch man glaubt gar nicht, wie steil und weit bergauf eine flussabwärts folgende Strecke verlaufen kann. Sowieso bestand die Strecke weiterhin aus einer groben Schotter- und Geröllpiste und nur das sich darbietende Landschaftspanorama konnte einigermaßen mit seinen grandiosen Ausblicken eine Entschädigung für die strapaziösen Fahreinlagen erbringen. Mun Suk jedoch war anscheinend nur frustriert und da der Streckenverlauf für sie zu schwierig war, sowohl bergauf als auch bergab, schob sie ihr Rad die meiste Zeit.
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Fahrt durch eine atemberaubende aber unwahrscheinlich anstrengende Berglandschaft von Peru

Nach etwa 7 Stunden hatten wir so gerade einmal 25 km zurücklegen können und das nächste ansteuerbare Ziel lag noch weit von uns entfernt. Als dann nach Stunden alleine auf der Strecke der erste Bus, welcher bergab fuhr, auftauchte, überredeten wir schnell den Busfahrer uns für einen nicht allzu horrenden Preis mitzunehmen. So kamen wir dann noch am Abend mit einsetzender Dunkelheit in Santa, an der Panamericana gelegen (nördlich von Chimbote), um etwa 19:45 ankamen. Schnell wurde eine Herberge aufgesucht, geduscht und genauso schnell noch eine Abendmahlzeit eingenommen. Mal wieder Pollo a la brasa (Grillhähnchen), denn die Auswahl auf den Speisekarten beschränkte sich, wie so oft in Südamerika, zwischen Pollo und Pollo. Hier haben wir dann nebenbei auch durch das Fernsehen erfahren, dass es um 19:00 Uhr abends, ca. 250 km südlich vor Lima nahe der Küste ein Erdbeben gegeben hat und die Stadt Ica als auch die Stadt Pisco am meisten davon betroffen worden sind. Ehrlich gesagt, wir hatten gar nichts von dem Erdbeben gespürt, denn wir saßen ja zu diesem Zeitpunkt, knapp 750 km weiter nördlich, im Bus und waren unterwegs. Es muss wohl in Santa auch ein wenig von dem Beben zu spüren gewesen sein, doch Schäden hatte es dort keine ausgelöst. Auch wenn wir weitab und fern des Bebens nun sind, so tut es uns doch sehr leid, wie die Orte Ica und Pisco, welche wir vor noch nicht allzu langer Zeit besucht hatten, nun unter der Naturgewalt zu leiden haben. Nach Santa stand Trujillo auf dem Etappenplan. Am 16.08.2007 sind wir hier angekommen und nun steht erst einmal etwas Kultur auf dem Programm. Chan Chan, die größte Adobesiedlung bzw. -anlage Amerikas oder wenn nicht sogar der Welt und Huaca de la Luna und Huaca del Sol, Pyramidenartige Adobegebilde aus der Mochezeit, standen auf der Besuchsliste. Auch hatten wir ein ganz nettes und günstiges Hostal gefunden, mit eigener privater Garage vor dem Zimmer, einem riesigen Kingsize-Bett (endlich einmal die Füße im Bett lassen!), Satelliten-TV, einer Badewanne und Minibar und das alles für umgerechnet 7,25 Euro pro Nacht. Was uns nicht besonders stört ist, das es sich wohl um ein sogenanntes Amüsierhotel handelt, welches Pärchen diskret aufsuchen. Doch die Leute bzw. das Personal sind nett, lassen uns in Ruhe und auch von den anderen Gästen bekommen wir nichts mit, ist ja alles privat abgetrennt. Wir genießen also mal ein wenig Bequemlichkeit für ein paar Tage, bevor es wieder auf die Piste geht.



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